Malaria-Bekämpfung
Forscher setzen auf Designer-Mücken
Gentech-Kritiker sind entsetzt: Am Erbgut veränderte Moskitos sollen eingesetzt werden, um die Malaria zu bekämpfen. Dies sei extrem gefährlich. Malaria-Forscher aber glauben, auf diese Weise Millionen Menschenleben retten zu können.
Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, die mitunter tödliche Tropenkrankheit Malaria auszurotten. Vor allem der besonders gefährliche Erreger Plasmodium falciparum hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er äußerst anpassungsfähig ist. Medikamente, mit denen man einst Erkrankten noch sehr gut helfen konnte, sind mittlerweile wirkungslos - die Malaria-Auslöser sind resistent.
Auch gegen die Überträger der kleinen Parasiten, die Moskitos, gibt es kaum noch wirksame Insektizide. Auch sie haben Resistenzen entwickelt. Als pragmatische, aber lebensrettende Schutzmaßnahme empfehlen Experten deshalb unter anderem, konsequent unter einem Moskito-Netz zu schlafen und die Fenster von Häusern mit Netzen zu versehen.
Schon seit Jahren tüfteln Gentechniker an einer Mücke, die dem Malaria-Verursacher Plasmodium keinen Lebensraum mehr bietet. Neue Hoffnung macht eine Studie von Wissenschaftlern der Johns Hopkins University: Im Laborversuch vermehrten sich derartig genveränderte Mücken besser als ihre normalen Artgenossen.
"Ein erfolgversprechender Weg"
"Die Ergebnisse beweisen, dass eine Malaria-Infektion Nachteile für die Mücken hat, weil sie ihre Fitness verschlechtert", sagte Andrea Crisanti im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Wissenschaftler vom Imperial College London gilt als Koryphäe auf dem Gebiet genetisch veränderter Moskitos. Seinem Team war es im Jahr 2000 erstmals gelungen, ein zusätzliches Gen in das Erbmaterial der Insekten zu schleusen, das ein fluoreszierendes Protein produziert. Die neue Studie zeige, so Crisanti, dass den möglichen negativen Effekten der Genmanipulation auf die Mücken die positiven Wirkungen der Malaria-Resistenz gegenübergestellt werden müssten.
"Das ist auf jeden Fall ein erfolgversprechender Weg", sagte Volker Heussler, Malaria-Experte am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenforschung, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Moskitos genetisch resistent gegen Malaria zu machen, sei sinnvoll.
Dass das Freisetzen genetisch veränderter Insekten negative Folgen für das ökologische Gleichgewicht haben könnte, fürchtet er nicht. "Man führt ein Gen ein, dass es in anderen Mücken-Spezies schon gibt", sagte er. "Das wird dann auf die Umwelt keinen Einfluss haben."
Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler in Mali erstmals natürliche Malaria-Resistenzen bei Mücken beobachtet - ganz ähnlich wie bei den genmanipulierten Moskitos. Eines der Gene, das für die Resistenz verantwortlich ist, wurde von den Forschern bereits identifiziert.
"Sie werden mutieren und wir haben keine Ahnung, wie"
Mit der Genmanipulation mache man "keine Monster aus den Mücken", betonte Heussler. Vergleichbares geschehe jeden Tag millionenfach in der Natur - durch Viren, die Gene veränderten. Während Viren dabei eher zufällig vorgingen, erfolge die Manipulation am Erbgut der Mücken ganz gezielt. "Die Molekularbiologen wissen genau, was sie tun."
Als vor sechs Jahren die Idee auftauchte, mit genetisch veränderten Mücken Malaria zu bekämpfen, zeigten sich vor allem Gentech-Kritiker entsetzt: "Transgene Moskitos werden mutieren, und wir haben keine Ahnung, wie", warnte etwa der Insektenkundler Andrew Spielman von der Harvard School of Public Health in Boston. Und auch Luke Alphey, Insektengenetiker an der University of Oxford, riet zur Vorsicht: "Ich stehe solchen Konzepten eher skeptisch gegenüber. Wenn wir so ein Ding erst einmal freigelassen haben, werden wir es niemals wieder zurückrufen können."
Die Pew Initiative, eine unabhängige US-amerikanische Stiftung, warnte ebenfalls vor unvorhersehbaren Folgen der Designermücken. So könnten sich Probleme sogar noch verschlimmern, wenn die veränderten Mückengene durch Viren auf andere Insekten übertragen würden. Dadurch könne die Krankheit ungewollt noch schneller übertragen werden als bisher. Wie sich das Freisetzen der Insekten auswirken werde, lasse sich kaum vorhersagen.
Malaria-Experte Heussler sieht die Sache deutlich gelassener. Um die tödliche Tropenkrankheit in den Griff zu bekommen, plädiert er jedoch dafür, parallel auch andere Strategien zu verfolgen, wie zum Beispiel das Gift DDT. Wenn man damit gezielt in Häusern sprühe und nicht auf Feldern, dann sei das durchaus erfolgversprechend. Heussler selbst forscht an der Entwicklung eines Malaria-Impfstoffes. "Man muss aber realistisch sein", sagte er. Der Erreger, der Parasit Plasmodium, sei kein Bakterium oder Virus. "Parisiten sind ein schwieriges Ziel, denn sie ändern ständig ihre Oberfläche."
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