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29.04.2008
 
Uni Bolognese
Das Bachelor-ABC gegen Campuschaos
Von Armin Himmelrath und Jochen Leffers
dpa
Erstsemester sind ratlos, Professoren kratzen sich am Kopf: In den Chaostagen der Bachelor-Master-Umwälzung sickern sonderbare neue Begriffe in den akademischen Jargon. SPIEGEL ONLINE klärt auf: mit dem kleinen Bachelor-Alphabet.
Anlaufschwierigkeiten:
Darüber klagen Studenten und Hochschulen gleichermaßen. Bereits 1999 wurde die Einführung des europäischen Hochschulraums verabredet, ein Jahrzehnt später hakt es immer noch. Eines der Hauptprobleme: Die deutschen Bildungspolitiker haben sich bewusst für ein jahrelanges Nebeneinanderher der alten und der neuen Studiengänge entschieden, den Universitäten und Fachhochschulen dafür aber so gut wie keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt, obwohl die Rektoren energisch danach verlangt haben. Andere Länder wie Polen waren bei der Umstellung radikaler - und damit auch schneller und erfolgreicher.
Bachelor:
Gern auch als B.A. (Bachelor of Arts) abgekürzt. Bezeichnet trotz anderslautender Gerüchte nicht nur akademische Junggesellen oder eine Kuppelshow im Privatfernsehen, sondern jeden mit dem "ersten berufsqualifizierenden Abschluss", der mindestens sechs Semester studiert hat.
Bei einem SPD-Bildungskongress kurz nach der jahrtausendwende haspelte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Amüsement der Zuhörer noch etwas von "Backelohr", inzwischen können Politiker wie Professoren den Begriff buchstabieren. Und der wackere deutsche Mittelständler wird es auch noch lernen, spätestens dann, wenn die Bewerbungen der vielen neuen Bachelors seinen Briefkasten fluten.
Dass es sich beim Bachelor tatsächlich um einen Job-Zugang handelt, hoffen jedenfalls die Bildungsminister - auch wenn der Arbeitsmarkt davon auf breiter Front erst noch überzeugt werden muss. Ein äußerst vielfältiger Abschluss, denn ihn gibt's auch als Bachelor of Science (B.Sc.), Bachelor of Engineering (B.Eng.) und Bachelor of Laws (LL.B.), an Kunst- und Musikhochschulen außerdem als Bachelor of Fine Arts (B.A.F.) und Bachelor of Music (B.Mus.). Gilt in seiner verwirrenden Vielfalt (-->Profilbildung) auch für den Master, nur dass hier das Studium zwei bis vier (weitere) Semester dauert.
Bologna:
Eine der ältesten Universitätsstädte in Europa - und seit 1999 Namensgeberin des gleichnamigen Prozesses, zu dem sich mittlerweile 46 Staaten verabredet haben. Ihr Ziel: Bis 2010 wollen sie einen einheitlichen Hochschulraum schaffen, in dem die Studierenden und Nachwuchsforscher völlig unbürokratisch und mobil durch Europa wandeln. Damit machten sie das europäische Hochschulsystem zur Großbaustelle. Vom Endzeitpunkt 2010 ist man spätestens seit der Bologna-Nachfolge-Konferenz in --> London wieder abgerückt - aber wenn's bis 2013 klappt, wäre das auch bemerkenswert.
Credit Points:
Was früher die Scheine waren, sind heute die Kreditpunkte, wie man im Denglisch-Rausch der neuen deutschen Hochschule etwas altbacken übersetzen würde. Ein Bachelor-Student muss davon bis zum Examen in der Regel 180 Stück sammeln (siehe auch à ECTS). Ein Punkt entspricht in Deutschland einem Arbeitsaufwand von 30 Stunden. Im Bachelor-Sprech wird das als -->workload bezeichnet.
Diploma Supplement:
Begleitbrief zum Hochschulabschluss, der natürlich auf Englisch verfasst wird und eine standardisierte Beschreibung des erfolgreich abgeschlossenen Studiums und seiner Inhalte enthält - damit auch wirklich jeder weiß, was der frischgebackene -->Bachelor denn nun gemacht hat.
Dünnbrettbohrer, auch: Discount-Akademiker
Spottbezeichnung der Skeptiker für die Bachelor-Absolventen. Den neuen Abschluss verhöhnten sie zunächst auch gern als "Nottaufe für ein ansonsten namenloses Zwischenzeugnis" oder als "Dekoration für eine kleine Rundreise durch die Uni".
Die Bildungsminister sehen das anders: Schnell, praxisnah, effektiv - so stellen sie sich die Studiengänge der Zukunft vor. Deshalb sollen fortan statt der früher üblichen mindestens fünf Jahre (Diplom, Magister, Staatsexamen) auch drei Hochschuljahre für eine akademische Ausbildung reichen. Dann gibt's nämlich den -->Bachelor und damit den ersten berufsqualifizierenden Abschluss. Schöner Nebeneffekt für die öffentlichen Haushalte: Kürzere Verweildauer an den Hochschulen + schnellerer Durchsatz der Studenten = Einsparmöglichkeiten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
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1 | 2 | 3 | 4  WEITER 
» Teil 1: Das Bachelor-ABC gegen Campuschaos
» Teil 2: E bis K - ECTS, Frust, Hürden, Konferenzen...
» Teil 3: L bis R - London, Modul, Profilbildung, Rotterdam...
» Teil 4: S bis Z - Studienabbrecher, Workload, Zeitfenster...
 
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