SPIEGEL ONLINE
29.04.2008
 
Uni Bolognese
Das Bachelor-ABC gegen Campuschaos
Von Armin Himmelrath und Jochen Leffers
4. Teil: S bis Z - Studienabbrecher, Workload, Zeitfenster...
Sonderfälle:
Die gibt's gerade in Deutschland zuhauf, und zwar überall da, wo der Staat sich die Abschlussprüfungen vorbehält - nämlich bei Lehramt, Medizin und Juristerei. Ob und wann es jemals einen Bachelor-Arzt geben wird, steht in den Sternen. Bei Juristen und Lehrern gibt es immerhin einzelne Versuche der Bundesländer zur Studienreform, aber noch keine einheitliche Linie.
Studienabbrecher:
Die Quote der "Drop-outs" zu senken, gehörte zu den erklärten Zielen der Bachelor-Master-Umwälzung. Im Februar zeigte eine Studie des Hochschul-Informations-Systems indes, dass die Abbrecherzahlen sogar gestiegen sind - jedenfalls in einigen Bereichen.
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Einen positiven Trend beschreiben die Hannoveraner Bildungsforscher in den Geisteswissenschaften: Ein klarerer Rahmen und stärkere Praxisanbindung lassen mehr Studenten ans Ziel kommen. Anders sieht es in den Technikfächern und Wirtschaftswissenschaften aus, die offenbar auf eine "Entrümpelung" der Lehrpläne weitgehend verzichtet haben und Studenten den Stoff jetzt in kürzerer Zeit einhämmern - ein ganz ähnliches Problem wie beim Turbo-Abitur. Prompt nahm die Zahl der Studienabbrecher zu.
Tauglichkeit für den Beruf, auch: Employabilityist die angestrebte Fähigkeit der Absolventen, mit ihrem Können in der echten Arbeitswelt zu bestehen. Manche -->Verweigerer indes stehen der geforderten Praxisnähe aller Studiengänge weiterhin sehr skeptisch gegenüber. Lange kümmerte es die Mehrheit der deutschen Hochschullehrer überhaupt einen feuchten Kehricht, ob die Studenten mit theorieverklebten Studieninhalten im Gepäck schnurstracks in eine berufliche Sackgasse steuerten - unverdrossen unterrichteten sie so, als zöge es genau hundert Prozent aller Absolventen in die Wissenschaft.
Nun aber mutiert die deutsche Universität zur Lernfabrik, die pausenlos junge und allzeit bereite Turbo-Absolventen ausspucken soll. Und darum morst neuerdings jeder Fachbereich "Employability" auf allen Kanälen, um den Ministerialbürokraten zu gefallen. In keinem Studiengangskonzept darf der Begriff fehlen und zählt zur Gattung jener "Plastikwörter", über die der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp im SPIEGEL spottete: "Statt des Elfenbeinturms ist jetzt der Leuchtturm die Leitmetapher." Begriffe aus der auf Effizienz getrimmten Welt der Wirtschaft tauchten immer öfter im "neuen Jargon des Hochschulmanagements auf". Zu den Plastikwörtern rechnet Keupp zum Beispiel "Benchmarking" alias Leistungskontrolle; Hochschulen "schöpfen Ressourcen aus" und "stellen Synergien her". Und immer öfter geht es um den "Kunden" - formerly known as "Student".
Unterschiede:
Bachelor ist nicht gleich Bachelor, Master nicht gleich Master: Weil die Länge eines kombinierten Bachelor-Master-Studiums zwischen 8 und 12 (oder sogar mehr) Semestern liegen kann und der -->Workload für einen -->Credit Point zwischen 25 und 30 Stunden, können Studenten im kürzesten Fall nach 6750 Arbeitsstunden ihren Master-Abschluss in der Tasche haben. Im längsten Fall aber auch erst nach 10.800 Stunden - ein Unterschied von immerhin 60 Prozent. Es kommt eben ganz darauf an, wo und was man studiert.
Verweigerer:
Sie werden immer seltener, aber es gibt sie noch. Zu ihnen gehört zum Beispiel der Frankfurter Uni-Präsident Rudolf Steinberg, der an seiner Hochschule nicht auf den "von der Kultusministerkonferenz gewollten Einheits-Bachelor" einschwenken will. Er klagt bei der Umstellung der Studiengänge über "ein absonderliches Akkreditierungssystem mit ausufernden Kosten und eine wahnwitzige Privatbürokratie".
Workload:
Zeitlicher Aufwand, der für einen à ECTS-Leistungspunkt (auch -->Credit Point) angesetzt wird. Europaweit sind das 25 bis 30 Stunden pro Leistungspunkt, in Deutschland nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz aber einheitlich 30 Stunden. Es gibt also erhebliche -->Unterschiede im Workload zwischen den europäischen Ländern.
Zeitfenster:
Sie gelten als das neue Zaubermittel, um die angestrebte höhere -->Mobilität der Studenten auch Wirklichkeit werden zu lassen. Denn bisher bedeutet der Bachelor vor allem, dass Studiengänge stärker strukturiert werden als früher. Damit aber bleibt weniger Zeit für Auslandssemester. Solche Zeitfenster - meist ein Semester - sollen deshalb die Möglichkeiten verbessern, Europa auch tatsächlich kennen zu lernen.
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» Teil 1: Das Bachelor-ABC gegen Campuschaos
» Teil 2: E bis K - ECTS, Frust, Hürden, Konferenzen...
» Teil 3: L bis R - London, Modul, Profilbildung, Rotterdam...
» Teil 4: S bis Z - Studienabbrecher, Workload, Zeitfenster...
 
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