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19.01.2009
 
Parade zum Amtsantritt
Deutscher Schüler tutet für Obama
FOTOSTRECKE
Goldene Schärpe, roter Zylinder, beige Hose: Philipp Schüssler wird Uniform tragen, wenn er an Barack Obama vorbei marschiert. Bei der Amtseinführung am Dienstag spielt der 18-jährige Schüler aus Gevelsberg in einem US-Musikcorps - auch Obamas Lieblingssong "Gimme Shelter".
Wenn der neue US-Präsident am kommenden Dienstag in Washington sein Amt antritt, ist er dabei: Philipp Schüßler aus Gevelsberg im Ruhrgebiet darf in der Parade zur Amtseinführung Barack Obamas musizieren. Der 18-jährige Schüler spielt Mellophon - eine Mischung aus Tuba und Trompete - im Drum and Bugle Corps "The Cadets" aus Allentown in Pennsylvania. Dieser Verein schickte ihm eine Einladung zur Parade.
Als Teenager war Philipp zum ersten Mal einen Sommer über in den USA und marschierte bei der Brassformation "Boston Crusaders" mit. Im vergangenen Jahr ging er erstmals mit "The Cadets" auf deren Sommer-Tour. Drum and Bugle Corps sind Musikgruppen mit Blechblasinstrumenten, Schlaginstrumenten und einer Showtanzgruppe. Sie nehmen häufig an Paraden und Wettkämpfen teil, wo sie für ihre musikalische Qualität und die oftmals komplexe Choreographie bewertet werden.
"The Cadets" kommen zur Präsidenten-Parade mit 150 Musikern und Tänzern nach Washington. Der Traditionsverein wurde 1934 gegründet und hat seither neun Mal den Internationalen Drum-Corps-Weltmeistertitel gewonnen. Bei der Parade tragen Philipp Schüßler und seine Mitmusiker ihre klassische Kadettenuniform: einen bordeauxroten Shako - einen zylinderförmigen Hut - mit weißer Feder, eine passende Uniformjacke mit goldener Schärpe und eine cremefarbene Hose.
Flugticket zu Weihnachten und schulfrei
"The Cadets" marschieren zu einem Medley aus patriotischer Musik und dem Klassiker "Strike up the Band". "Außerdem spielen wir noch 'Gimme Shelter' - ein Lieblingsstück von Barack Obama", verrät der 18-Jährige. Es ist ein Titel der Rolling Stones von 1969. Und vielleicht, so hofft Philipp, "schaffe ich es ja, mich an diesem Tag in die Geschichtsbücher zu spielen".
Am 16. Januar fliegt Philipp nach Amerika, um sich auf den Auftritt bei der Parade vorzubereiten, bei der er mit seinem Mellophon in der ersten oder zweiten Reihe des Corps mitlaufen darf. Als er von seinem amerikanischen Verein zur Präsidenten-Parade eingeladen wurde, hatte er aber zunächst keine Hoffnung, dabei sein zu können: Schließlich fällt der Termin in die Schulzeit, und das Flugticket ist teuer.
Aber die Schule gab ihm zu diesem Anlass frei - und als seine Eltern ihm zu Weihnachten das Flugticket nach Amerika schenkten, war er außer sich vor Freude. Es sei eine Ehre, bei Obamas Amtseinführung dabei zu sein, schwärmt der Gevelsberger. Seine Freunde beneideten ihn sehr darum, ein so geschichtsträchtiges Ereignis hautnah mitzuerleben.
Einmal Barack Obama in echt sehen
Als Siebenjähriger begann Philipp Schüssler mit dem Trompetespielen - aber da war sein Schicksal schon längst besiegelt. "Ich bin quasi in das Hobby hinein geboren worden", sagt er. Sein Vater und sein Opa hatten bereits die gleiche Leidenschaft. Und so trat Philipp 1997 in das deutsche Drum and Bugle Corps von Gevelsberg ein - den "Fidelen Vogelsangern", einst gegründet von seinem Urgroßonkel. Wenn er sein Abitur in der Tasche hat, will der er gern bei der Bundeswehr Musik studieren und danach Profi-Musiker bei der Bundeswehr oder in einem Orchester werden.
Zur Parade in der US-Hauptstadt muss der 18-Jährige nicht allein reisen: Sein Stiefvater Rainer Piorek und ein Freund der Familie, Frank Fild, haben sich als freiwillige Helfer bei dem Musikcorps aus Pennsylvania gemeldet. Zu ihren Aufgaben könnten etwa Truck fahren oder Küchendienst gehören - den beiden Helfern ist das im Grunde egal: Sie wollen vor allem dabei sein.
Denn für Frank Fild ist die Parade ein "riesengroßes Event". Er selbst ist leidenschaftlicher Musiker und Amerika für ihn das "Mekka des Drum Corps": "Ein Corps unterstützen zu können, das auch schon mehrmals Weltmeister war, ist toll", schwärmt der 42-jährige Fahrlehrer.
Philipp Schüßler hofft derweil, dass auch das Wetter mitspielt und die Parade wie geplant stattfinden kann. Bis zu seinem Flug übt er die Noten zu Hause auf seinem Mellophon, nervös ist er aber nicht. "Ich denke, dass das Ganze komplett entspannt ablaufen wird", sagt er - immerhin ist er schon vor 40.000 Menschen aufgetreten. "In Washington werden zwar bis zu vier Millionen Menschen erwartet, aber die werden ja nicht alle vor mir auf einer Tribüne sitzen."
 
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