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16.03.2010
 
Kapuzinerorden
Neue Missbrauchsfälle in Rottenburg und Bad Mergentheim
FOTOSTRECKE
Im katholischen Kapuzinerorden in Bad Mergentheim soll es zu sexuellen Übergriffen auf mindestens ein Kind gekommen sein. Auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es einen des Missbrauchs verdächtigen Priester - er soll Ehrenbürger der Stadt sein.
Stuttgart - In Bad Mergentheim soll ein heute 80-jähriger Pater zwischen 1967 und 1975 mindestens ein Kind sexuell missbraucht haben, berichtete der Südwestrundfunk (SWR) am Dienstag. Ein Sprecher des Kapuzinerordens sagte dem Sender, das mutmaßliche Opfer habe sich vor kurzem über einen Anwalt gemeldet.
Man habe die Staatsanwaltschaft für die Prüfung eines Missbrauchsfalls eingeschaltet, sagte ein Sprecher der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz am Dienstag in Münster. Die Kapuziner wollten die Vorkommnisse nun umfassend aufklären und mit den Ermittlern zusammenarbeiten, so ein Sprecher.
Nach den mutmaßlichen Übergriffen soll der tatverdächtige Pater zunächst in eine andere Niederlassung versetzt worden sein, seit etwa zwei Jahren aber wieder im Haus des Ordens in Bad Mergentheim leben. Der Leitung der Ordensprovinz war den Angaben zufolge bekannt, dass es "Auffälligkeiten" gegeben hatte. In der Personalakte des Mannes fänden sich jedoch keine Eintragungen. Er sei dennoch bereits seit Jahren von allen seelsorgerischen Diensten entbunden.
Für den 80-Jährigen gelten zudem schon länger strenge Auflagen: So darf der Mann das Kloster nur nach vorheriger Anmeldung beim Hausoberen verlassen. Der Kontakt mit Kindern und Jugendlichen ist ihm untersagt. Bei den Kapuzinern ist es der zweite Missbrauchsfall, der in den vergangenen Wochen öffentlich wurde.
Ehrenbürger unter Verdacht
In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde unterdessen bekannt, dass sich ein inzwischen gestorbener Priester in den fünfziger und sechziger Jahren an Knaben vergangen hatte. Publik machte die Fälle ein 60-jähriger Eutinger, der laut eigenen Angaben als Junge von dem damaligen Wurmlinger Dorfpfarrer missbraucht und während des Religionsunterrichts immer wieder geschlagen worden war.
Die Missbrauchskommission der Diözese will sich den Angaben zufolge am Donnerstag mit dem Fall befassen. Der beschuldigte Priester ist seit 1968 Ehrenbürger der Stadt Rottenburg.
Missbrauchsermittlungen am Knabenkonvikt in Bensheim verschleppt
Inzwischen kam heraus, dass die Missbrauchsvorwürfe am ehemaligen katholischen Jungen-Internat in Bensheim bereits in den siebziger und achtziger Jahren bekannt waren. Es sei ein Brief an den damaligen Mainzer Bischof vom Februar 1981 aufgetaucht, in dem ein Schüler sexuellen Missbrauch durch den Internatsleiter schildert, teilte das Bistum in Mainz am Dienstag mit. Zu einem daraufhin dem Schüler angebotenen Gespräch sei es aber nie gekommen. Zudem gebe es Hinweise auf Briefe aus den siebziger Jahren, in denen Eltern von sexuellem Missbrauch berichteten. In dem Konvikt soll es bis 1979 Misshandlungen und Missbrauch gegeben haben.
Insgesamt haben sich bisher 15 ehemalige Schüler beim Bistum Mainz gemeldet. Wie Bistumssprecher Alexander Matschak am Dienstag berichtete, wurden drei der Betroffenen laut eigenen Angaben Opfer sexuellen Missbrauchs. Zwölf weitere seien durch Schläge misshandelt worden.
 
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