Wahrnehmung
Haie sind farbenblind
REUTERS/ Matthew D. Potenski
Haie sind nicht in der Lage, Farben zu unterscheiden. Ihre Augen verfügen nur über einen Typ von Zapfenzellen. Bunte Badekleidung wirkt auf die Tiere aber dennoch oft anziehend.
Haie sind höchstwahrscheinlich farbenblind. Das haben australische Forscher bei der Untersuchung der Netzhaut von Haien herausgefunden. Demnach verfügen die Augen vieler Hai-Arten nur über Stäbchenzellen. Diese können nicht zwischen Farben unterscheiden.
Auf der Netzhaut gibt es zwei Hauptarten von Fotorezeptoren: Stäbchenzellen sind sehr lichtempfindlich und ermöglichen Nachtsichtigkeit. Zapfenzellen reagieren ebenfalls auf Licht, sind aber weniger lichtempfindlich. Stäbchenzellen können nicht zwischen Farben unterscheiden. Einige Hai-Augen besitzen einen einzigen Zapfenzellentyp für langwelliges Licht auf der Netzhaut. Um Farben zu sehen, braucht das Auge aber in der Regel mehrere Typen von Zapfenzellen. Haie sind deshalb wahrscheinlich vollständig farbenblind, schreiben die Autoren im Fachjournal "Naturwissenschaften - The Science of Nature".
"Diese neuen Forschungsergebnisse über die Sehweise von Haien könnten dazu beitragen, Angriffe auf Menschen zu verhindern und die Entwicklung von Fanggerät zu unterstützen, um so den Hai-Beifang in der Langleinenfischerei zu reduzieren", erklärte Forschungsleiter Nathan Scott Hart von der University of Western Australia.
Der Kontrast eines Objektes gegenüber der Umgebung sei für Haie wahrscheinlich wichtiger als die Farbe. Deshalb kann Badekleidung auf die Tiere trotz ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit anziehend wirken. Forscher wollen diesen Umstand nutzen: "Die neuen Erkenntnisse könnten dabei helfen, Langleinenfischereiköder zu entwickeln, die für Haie weniger attraktiv sind, wie auch Badebekleidung und Surfbretter, die für Haie einen geringeren sichtbaren Kontrast besitzen und deshalb weniger anziehend auf sie wirken", erklärte Hart.
Haie sind effiziente Jäger. Ihr evolutionärer Erfolg wird unter anderem ihren beeindruckenden Sinnessystemen zugeschrieben, einschließlich ihres Sehvermögens. Bisher war unklar, ob Haie Farben sehen, obwohl sie gut entwickelte Augen und einen großen sensorischen Gehirnbereich besitzen, der die visuellen Informationen verarbeitet.
Um die Farbsichtigkeit von Haien festzustellen, wendeten Hart und seine Kollegen die sogenannte Mikrospektro-Fotometrie an. Damit kann man die Zapfensehpigmente in der Hai-Netzhaut identifizieren und feststellen, welche Wellenlängen des Spektrums sie absorbieren können.
Insgesamt 17 Hai-Arten untersuchten die Wissenschaftler auf diese Weise. Bei allen fanden sie Stäbchenzellen. Bei sieben Arten war zusätzlich jeweils ein einziger Zapfenzellentyp für langwelliges Licht vorhanden. Viele Meeressäuger - Wale, Delfine und Robben - besitzen dem Bericht zufolge ebenfalls nur einen einzigen, grün-empfindlichen Zapfentyp. Rochen und Seekatzen, die eng mit den Haien verwandt sind, könnten hingegen begrenzt Farben erkennen.
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