SPIEGEL ONLINE
30.08.2011
 
Praktikum auf hoher See
"Ein bisschen wie im Gefängnis"
Von Marie-Charlotte Maas
2. Teil: Fenna Klebert, 18, Abiturientin - "Die Motorengeräusche fehlen mir"
Fenna: Schipperte in zwei Wochen vom schwedischen Trelleborg nach Travemünde
Ich wollte so viel erleben wie möglich, deswegen habe ich während meines Praktikums im Durchschnitt nur vier Stunden geschlafen. Ich habe zwei Wochen als Schiffsmechanikerin auf einem Auto-Fährschiff gearbeitet, das zwischen Trelleborg in Schweden und Travemünde in Deutschland verkehrt. Als meine Freunde von meinen Plänen erfuhren, waren viele skeptisch. Sie haben nicht verstanden, dass ich so etwas Unnormales machen will. Die meisten sind eher der "Typ Bankkaufmann".
In der ersten Woche habe ich zusammen mit Kollegen auf der Brücke Wache gehalten und das An- und Ablegen der Fähre überwacht. In der zweiten Woche arbeitete ich im Maschinenraum. Einmal trat aus einer Maschine Kühlwasser aus. Das war mein Glück: Sie wurde in alle Einzelteile zerlegt, und ich durfte sie saubermachen. Das war spannend!
Der Maschinenraum ist eine Männerdomäne. Als Frau musste ich mich also erst mal beweisen. Ich musste zeigen, dass ich weiß wie ein Schraubenschlüssel aussieht und dass ich kein Problem damit habe, ölige Hände zu bekommen. Und vor allem musste ich klar machen, dass ich Lust auf den Job habe. Danach wurde ich respektiert und durfte viel machen.
Schlimm war die Hitze. Es war Juli und brütend heiß, und ich musste einen Overall, Schutzhandschuhe und Kopfhörer getragen. Die Kollegen haben auf die Kopfhörer verzichtet, obwohl es entsetzlich laut ist. Mir haben sie das aber verboten: "Du bist noch so jung, pass auf deine Ohren auf."
Ich hatte eine große Kabine mit Bad, Fernseher und Couchgarnitur. Die Motorengeräusche, die ich anfangs furchtbar fand, haben mir zu Hause sogar gefehlt.
Ich hatte in den zwei Wochen zwar nicht das Bedürfnis, an Land zu gehen. Aber die Arbeit unter Deck wäre auf Dauer nichts für mich - so ganz ohne Tageslicht. Der Abschied ist mir trotzdem schwer gefallen. An Bord herrschte ein richtiges Familiengefühl. Darum werde ich ab Oktober eine Ausbildung zur Schiffsmechanikerin anfangen und hoffentlich danach Nautik studieren.
FOTOSTRECKE

FOTOSTRECKE

 ZURÜCK  1 | 2 | 3 | 4  WEITER 
» Teil 1: "Ein bisschen wie im Gefängnis"
» Teil 2: Fenna Klebert, 18, Abiturientin - "Die Motorengeräusche fehlen mir"
» Teil 3: Christopher Hardwick, 16, Schüler - "Noch nie so weit von zu Hause weg"
» Teil 4: Gregor Krause, 18, Schüler - "Arbeiten auf dem Meer ist nichts für mich"
 
Zum Thema:
 Fotostrecke: Als Praktikant auf den Weltmeeren
 Weltumseglerin Watson: "Ich hatte verlernt zu schlafen"
 Protokoll eines Untergangs: "Wir hatten kaum eine Chance"
 Mein erstes Mal: Max, 16, wohnt allein in einer fremden Stadt
 Teenager-Rekordjagd: Duell der Segel-Süchtigen
 Als Mädchen im Straßenbau: "Nach einigen Wochen hören die Schmerzen auf"
» MEHR SCHULSPIEGEL
» ZURÜCK ZUR HOMEPAGE
» ARTIKEL VERSENDEN
 
SUCHE IN SPIEGEL MOBIL
Politik | Wirtschaft | Börse | Panorama | Sport | Kultur | Wissenschaft | Gesundheit | Netzwelt | Uni | KarriereSPIEGEL | Schule | Reise | Auto | Wetter | Ticker | Fotostrecken | Video | English Site | manager-magazin.de
» Zum mobilen RSS
» NACH OBEN
© SPIEGEL ONLINE
Impressum Alle Rechte vorbehalten