SPIEGEL ONLINE
30.08.2011
 
Praktikum auf hoher See
"Ein bisschen wie im Gefängnis"
Von Marie-Charlotte Maas
4. Teil: Gregor Krause, 18, Schüler - "Arbeiten auf dem Meer ist nichts für mich"
Gregor: Er verbrachte sein Praktikum vier Wochen lang auf der Ostsee
Vor meinem Praktikum musste ich zunächst einen Seediensttauglichkeitstest machen: Sind meine Augen gut genug? Mein Gleichgewichtssinn? So sollte auch meine Sicherheit an Bord gewährleistet werden.
Dann endlich ging es los: vier Wochen Ostsee auf einem Containerschiff. Mein Vater hat Nautik studiert und ist früher selbst zur See gefahren, heute arbeitet er im Hamburger Hafen. Seine Begeisterung hat abgefärbt.
Wir sind in Hamburg gestartet und nach Göteborg in Schweden, Klaipeda in Litauen, Sankt Petersburg in Russland und Rauma in Finnland. Zwischen den Häfen lagen maximal zwei Tage Seefahrt. Diese Strecke ist für die Schifffahrt eher unspektakulär - wie Bus fahren.
Die ersten zwei Wochen war ich unten im Maschinenraum, danach auf Deck und Brücke. An den Maschinen durfte ich nicht schrauben, aber ich konnte Werkzeuge anreichen, wenn etwas mit dem Dieselmotor, der Wasseraufbereitungsanlage oder der Kläranlage nicht in Ordnung war.
Die Arbeit an Bord war ungewohnt. Es war warm, laut und manchmal anstrengend. Und vor allem sehr eng: Wenn man die schmalen Treppen hoch läuft - es sind acht Decks - und zwei Leute sich entgegenkommen, muss einer ausweichen. Es ist paradox: Auf dem Schiff kann man ganz weit gucken, aber sich kaum bewegen. In der Stadt ist es umgedreht. Man kann hingehen wo man möchte, aber nicht weit sehen.
Wenn wir am Hafen angelegt hatten, durften wir runter von Bord. Wir haben zum Beispiel einen Seemannsclub mit Sauna und Fitnessstudio besucht. Dort treffen sich nach Feierabend alle Schiffsarbeiter. Der Aufenthalt ist aber immer nur kurz, schließlich muss die Fracht pünktlich abgeliefert werden.
Was wir transportiert haben wussten wir nicht. Es konnten Wattepads sein oder ein Ferrari. Nur wenn es eine gefährliche Ladung oder ein Kühlcontainer war, wussten wir Bescheid. Man muss sich den Container vorstellen wie einen Brief: Der Briefträger weiß auch nicht, was er überbringt.
Alles in allem war meine Zeit auf dem Schiff eine spannende Erfahrung, aber ich habe gemerkt: Das Arbeiten auf dem Meer ist nichts für mich. Zu wenig Bewegungsfreiheit - ein bisschen wie im Gefängnis. In der Branche möchte ich trotzdem tätig sein. Der Logistikbereich würde mich reizen.
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» Teil 1: "Ein bisschen wie im Gefängnis"
» Teil 2: Fenna Klebert, 18, Abiturientin - "Die Motorengeräusche fehlen mir"
» Teil 3: Christopher Hardwick, 16, Schüler - "Noch nie so weit von zu Hause weg"
» Teil 4: Gregor Krause, 18, Schüler - "Arbeiten auf dem Meer ist nichts für mich"
 
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