SPIEGEL ONLINE
25.08.2011
 
Elf Jahre nach der Tat
Polizei fasst Verdächtigen im Mordfall Tobias
DPA
Die Tat liegt lange zurück, jetzt könnte sie geklärt sein: Die Polizei hat einen Mann festgenommen, der den damals elfjährigen Tobias in Baden-Württemberg erstochen haben soll. Die Fahnder kamen ihm bei Ermittlungen zu Kinderpornografie im Internet auf die Spur.
Böblingen - Elf Jahre lang hat die Polizei in Baden-Württemberg nach dem Mörder des Schülers Tobias D. gesucht. Jetzt wurde der mutmaßliche Täter gefasst. Der 47-Jährige steht nach Angaben der Polizei Böblingen unter dringendem Verdacht, den damals Elfjährigen in Weil im Schönbuch erstochen zu haben.
Wie am Donnerstag aus Polizeikreisen verlautete, kamen ihm die Ermittler bei Recherchen zur Kinderpornografie im Internet auf die Spur. Der Mann war auf einschlägigen Seiten unterwegs und wurde bereits am Dienstag gefasst. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stießen die Beamten auf Material zum damaligen Fall. Auch DNA-Analysen scheinen den Verdacht zu bestätigen, hieß es.
"Für die Gemeinde ist dies die wichtigste Nachricht der letzten Jahre", sagte der Bürgermeister von Weil im Schönbuch, Wolfgang Lahl. Auch für die Eltern von Tobias sei die Festnahme ein wichtiger Schritt zur Trauerbewältigung.
Die Leiche des Jungen war am 30. Oktober 2000 mit zahlreichen Messerstichen an einem Teich in Weil im Schönbuch entdeckt worden. An der Kleidung des Kindes wurden zwei fremde DNA-Spuren sichergestellt. Eine der größten DNA-Analysen im Land, bei der 13.000 Männer und Jugendliche überprüft wurden, lieferte den Ermittlern keine Hinweise. Immer wieder wurden Verdächtige überprüft, die einen Bezug zu dem Opfer oder dem Tatort hatten: Angler, Waldarbeiter, Jäger, Pilzsammler, Grundstücksbesitzer, Pendler, Automatenaufsteller und Vertreter - ohne Erfolg.
Bis zu 60 Ermittler im Einsatz
Zwei Wochen nach der Tat wurde ein 16-Jähriger festgenommen. Er hatte durch auffällige Antworten die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich gezogen. Eine Untersuchung der Speichelprobe des Jugendlichen erbrachte aber keine Übereinstimmung mit dem gefundenen Spurenmaterial - er kam nach vier Wochen wieder frei. Das wollten die Eltern von Tobias nicht akzeptieren, scheiterten aber 2007 mit einem sogenannten Klageerzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.
Auch Plakataktionen und Aufrufe im Fernsehen führten zu keinem Erfolg. Die einst bis zu 60 Mann starke "Soko Weiher" wurde schließlich aufgelöst. Nur noch ein Sachbearbeiter war seitdem vornehmlich für den Mordfall zuständig.
» MEHR PANORAMA
» ZURÜCK ZUR HOMEPAGE
» ARTIKEL VERSENDEN
 
SUCHE IN SPIEGEL MOBIL
Politik | Wirtschaft | Börse | Panorama | Sport | Kultur | Wissenschaft | Gesundheit | Netzwelt | Uni | KarriereSPIEGEL | Schule | Reise | Auto | Wetter | Ticker | Fotostrecken | Video | English Site | manager-magazin.de
» Zum mobilen RSS
» NACH OBEN
© SPIEGEL ONLINE
Impressum Alle Rechte vorbehalten