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04.10.2011
 
Hightech-Ranking
Welche Autos US-Ingenieure besonders lieben
Von Matthias Penzel
FOTOSTRECKE
Highend-Artikel begeistern nicht nur Menschen mit hohem Einkommen. Vor allem und mehr noch ergötzen sich Informatiker und Ingenieure an technischen Kabinettstücken. In den USA hat jetzt eine Fachzeitschrift die zehn interessantesten Autos gekürt. Sie zeigen eindrucksvoll, was technisch alles möglich ist.
Es sind zehn Autos, die auch in den Augen von Experten dem aktuellen Stand der Technik schon ein Stück voraus sind und die die Messlatte für den Fortschritt ein wenig höher legen. Besser, schneller und cooler als die anderen - darum geht es bei den von der Verbands-Zeitschrift "IEEE Spectrum" verkündeten "Top 10 Tech Cars 2011".
Und tatsächlich, es geht um alles, was selbst nüchtern rechnende Technikerherzen schneller schlagen lässt: Traktionskontrolle wie in der Formel 1, erschwingliche Plug-in-Hybrids. Japanisches Hightech zum Sonderpreis, Brennstoffzellen aus Stuttgart oder Elektro-Träume aus Kalifornien. Doch obwohl Stromantrieb als Ausweis für progressive Vehikel gilt, hakten die Juroren des Electrical and Electronics Engineers (IEEE) den guten alten Ottomotor noch nicht ganz ab: Verfechter des alten Benziner-Prinzips gehören zu den Hightech-Highlights des Jahres - insbesondere wenn der Sprit injiziert wird mit Adrenalin und purem Spaß am Fortschritt, also Fortrasen jenseits von 250 km/h. Und den kann man sich, so das Vorwort, "locker leisten, vorausgesetzt, man ist gewillt, sein Haus dafür zu verkaufen".
Veröffentlicht wird "IEEE Spectrum" vom IEEE in New York. Die Zeitschrift ist eine von vielen Publikationen des Verbands, allerdings die größte. Bei etwa 400.000 im IEEE organisierten Technikern und Ingenieuren landet sie monatlich im Briefkasten. Die jährliche Titelgeschichte zu automotiven Highlights kommt sehr amerikanisch daher: ein wenig lärmig, mit Freude am Wettbewerb und Liebe zur Pointe - doch letztendlich vom Denken des Technikers dominiert.
Von einer Jury übrigens will "IEEE Spectrum"-Mitarbeiter Philip E. Ross nichts wissen. Die Rangliste komme ohne solch ein Gremium zustande, betont er: "Stattdessen haben wir eine Reihe von Mitarbeitern, die verfolgen, was in der Industrie passiert, und nach Rücksprache mit deren Ansprechpartnern und Informanten stellen wir eine Liste zusammen, aus der wir dann sukzessive zehn Autos auswählen. Ausschlaggebend ist, signifikante aber auch unterschiedliche Innovationen vorzustellen, genauso eine gewisse Bandbreite an Herstellern und Fahrzeugtypen. Unser Ziel ist es aufzuklären, aber auch zu unterhalten."
Nur die brillante Idee zählt
Die Geschichte der "Top 10 Tech Cars" ist interessant, wird doch in den Labors für künftige Technologien, zwischen New York und Palo Alto, heiß diskutiert, wie die Autos von morgen aussehen. Barack Obama will bis zum Jahr 2015 "eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen" sehen. Wie realistisch das Ziel ist, weiß niemand, die Zweifler sind allerdings in der Überzahl. Doch für Vertreter der Elektrotechnik und Informatik ist die Initiative trotzdem Grund genug, um umzudenken. Geld mag dabei eine Rolle spielen - geringe Kosten ebenso wie hohe Ausgaben -, aber über das Ziel ist man sich einig: Fortschritt.
Ingeniöse Höchstleistungen mit allen technischen Mitteln. Starke Motoren, geringe Schadstoffemissionen, große Reichweiten, geringes Gewicht: Kategorien wollen die Preisrichter gar nicht aufstellen, weil sie ein viel zu enges Korsett bilden würden, in das echte Innovationen ohnehin nicht hineinpassen würden. Der Trumpf, der sticht, ist die brillante Idee.
Entsprechend kurzweilig ist die Selektion der Top Ten. Anders als im vergangenen Jahr sind diesmal keine bayerischen Fabrikate in der Auswahl. 2010 fanden sich im Ranking des IEEE neben neuen Weltstars - Mercedes-Benz' SLS AMG, Fiats Nuova 500, Porsches Panamera, oder der Leaf von Nissan - solche futuristischen Zukunftsmusikanten wie der Aptera 2E, Audi e-Tron, VW Up. Und eben auch Vehikel, die auf den ersten Blick anachronistisch wirken, wie der BMW X6 der M-GmbH. Doch in diesem Jahr hätten die Bayern keine so beachtenswerten neuen Technologien eingesetzt, meint Lawrence Ulrich, der den Artikel verfasst hat.
Die diesjährige Rangliste bildet wieder ein breites Spektrum ab. Wie grün vermeintliche Hybrids und Elektroautos sind, ist dabei nicht so eindeutig zu klären wie die tatsächlich messbare Leistung, Drehmoment, das Verhältnis von Leistungsgewicht pro Kilowatt. Ist der Preis für ein fortschrittliches Vehikel überraschend niedrig, so ist auch das ein Pluspunkt, ein hoher Preis für hohe Performance aber nicht zwingend ein Handicap. Hightech und hohe Ansprüche gehen nicht unbedingt einher mit hohen Preisen: Auch mit Fließbandware können diese Ziele erreicht werden.
 
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