SPIEGEL ONLINE
16.12.2011
 
Abgefangene US-Drohne
So wertvoll ist Irans Beutestück
Von Frank Patalong
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Vom Erzfeind lernen, heißt spionieren lernen: Iran will die Technologien der erbeuteten US-Spionagedrohne RQ-170 analysieren und nachbauen. Nicht möglich, wiegeln die Amerikaner ab - und wirken zugleich höchst dünnhäutig. Wie wertvoll ist die Drohne wirklich?
Irgendwo in Iran beschäftigen sich seit Tagen Technikexperten und Wissenschaftler rund um die Uhr mit der erbeuteten US-Spionagedrohne vom Typ RQ-170. Iran kündigte an, die Technologien mit Methoden des sogenannten Reverse Engineering erst analysieren, dann kopieren zu wollen. Eine realistische Drohung?
Eine Spionagedrohne ist kein bloßes Fernlenkflugzeug: Sie fußt auf zahlreichen verschiedenen Technologien, die sie zu einem effektiven Werkzeug machen. Die besonders wertvollen Kerntechnologien umfassen folgende Bereiche:
Tarntechnik: Methoden und Materialien, um den Flugkörper für Radargeräte und andere Detektionstechniken schwerer erfassbar zu machen; Avionik: Flug- und Steuerungselektronik für die notorisch schwierig zu fliegenden und zu kontrollierenden Drohnen; Sensorik: Kameras, Lauschapparate, Messgeräte für verschiedene Zwecke wie Strahlungs- oder Chemikaliendetektion, hochentwickeltes Radar etc.; Kommunikationstechnik inklusive Datenverschlüsselung.
Einiges von diesem Know-how ist höchst wertvoll, anderes weniger. Aus iranischer Perspektive bemisst sich der Wert des Beutestücks zudem an verschiedenen Nutzen, die Teheran daraus - abgesehen von propagandistischen Effekten - prinzipiell ziehen könnte:
Abwehrmethoden: Könnte eine Analyse der Tarntechnik dazu beitragen, diese Tarntechniken auszuhebeln? Aufrüstung: Erkenntnisgewinn, der zum Bau eigener Tarndrohnen genutzt werden könnte.
Umstritten ist, welche Technologien die Iraner mit oder ohne externe Hilfe analysieren und dann auch nutzen können - und was für einen Wert sie tatsächlich hätten.
In den US-Medien meldeten sich bisher vor allem Vertreter regierungsnaher Think-Tanks zu Wort, die Iran entweder die Möglichkeit absprechen, Analyse und Kopie der Drohnen-Technik zu beherrschen oder den Wert der Drohnen-Technologie prinzipiell in Zweifel ziehen. Beides stimmt so pauschal wohl nicht.
Die USA selbst haben den Wert ihrer Drohnen und ihren Vorsprung vor den Technologien anderer Länder dadurch dokumentiert, dass sie diese Technologien bisher nicht einmal mit ihren Verbündeten teilten. Mit Ausnahme Großbritanniens gestand man noch keinem Bündnispartner die Nutzung moderner US-Stealth- und Kampfdrohnentechnik zu.
Die RQ-170, deren Entwicklung um 2004 begonnen haben mag und deren Existenz erst seit Ende 2009 bestätigt ist, dürfte auf dem neuesten Stand sein. Was sie genau leistet, ist nicht bekannt. Trotzdem lassen sich zu Wert und Verwertbarkeit der erbeuteten Technologien zumindest begründete Vermutungen anstellen.
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» Teil1: So wertvoll ist Irans Beutestück
» Teil2: Tarntechnik - prinzipiell bekannt
» Teil3: Avionik - die wertvollste Beute
» Teil4: Sensorik - fortgeschrittene Schnüffeltechnik
» Teil5: Fazit
 
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