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19.12.2011
 
Spionageflugzeug
Iran soll US-Drohne mit GPS-Manipulation erbeutet haben
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Wie konnte die amerikanische Tarnkappen-Drohne in die Hände der Iraner gelangen? Ein iranischer Ingenieur bestärkt jetzt die Spekulationen über ein manipuliertes GPS-Signal: Der Drohne seien falsche Koordinaten vorgegaukelt worden, so dass sie selbständig landete.

Die Sache ist für das Pentagon mehr als peinlich. Ein unbemanntes Spionageflugzeug, vollgestopft mit modernster Technik, spioniert über iranischem Territorium und kehrt nicht zurück zur Basis in Afghanistan. Kurze Zeit später präsentieren iranische Militärs die Drohne des Typs RQ-170 "Sentinel" im Fernsehen - sie wirkt unbeschadet, auch wenn die Unterseite verdeckt ist.
Nach Angaben des iranischen Brigadegenerals Amir Ali Hadschisadeh wurde die Stealth-Drohne durch einen Cyberangriff unter Kontrolle gebracht. Spezialisten der Regierung seien sich des "unschätzbaren Werts der technischen Daten" bewusst, die die Drohne liefern könne, erklärte der General.
Experten vermuteten von Anfang an, dass die Iraner ein verfälschtes GPS-Navigatonssignal verwendet haben könnten. Ein Bericht der US-Website "Christian Science Monitor" scheint das nun zu bestätigen. Demnach wurde die Drohne durch sogenanntes GPS-Jamming vom Himmel geholt. Dabei werden die Signale der Navgationssatelliten, die zur Positionsbestimmung dienen, gezielt verfälscht. Die Website beruft sich auf einen namentlich nicht genannten iranischen Ingenieur, der schon seit Jahren für das iranische Militär arbeite. "Die GPS-Navigation ist der schwächste Punkte", wird der Mann zitiert.
Wenn man die Signale mit Rauschen störe, wechsle das unbemannte Flugzeug in den Autopilot-Modus. "Das ist der Moment, in dem der Vogel sein Gehirn verliert." Der Drohne seien dann falsche GPS-Koordinaten vorgegaukelt worden, erklärte der Ingenieur. Wenn seine Schilderungen stimmen, ging der Bordcomputer davon aus, seine Basis anzufliegen. "Sie ist dann von allein gelandet", erklärte der Iraner. Man habe die Kommunikation mit der US-Basis dazu nicht hacken müssen.
Ob es sich bei dem Interviewpartner des "Christian Science Monitor" tatsächlich um einen iranischen Experten handelt und ob seine Aussagen der Wahrheit entsprechen, ist offen. Plausibel kling die Schilderung dennoch - und auf iranischer Seite dürfte zudem das Interesse bestehen, Details zu dem Coup publik werden zu lassen.
Gestörte oder verfälschte GPS-Signale sind nicht nur eine Gefahr für Drohnen. Auch der Verkehr von Schiffen und Autos ist immer stärker von der Satellitennavigation abhängig. Nicht nur GPS, auch Europas Konkurrenzsystem Galileo oder das russische System Glonass können durch absichtlich oder versehentlich erzeugte Interferenzen in ihrem Betrieb beeinträchtigt oder ganz lahmgelegt werden.
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