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26.01.2012
 
Militärpläne
USA wollen Drohnenflotte stark ausbauen
FOTOSTRECKE
Das US-Militär muss sparen, zugleich seine Präsenz im Pazifikraum verstärken und global präsent sein. Pentagonchef Panetta plant einen Truppenabbau, Stilllegung von älteren Schiffen und Flugzeugen sowie einen verlangsamten Kauf von Kampfjets. Ein wichtiger Teil seiner Strategie: noch mehr Drohnen.
Es ist die Quadratur des Kreises: Amerikas Streitkräfte sollen künftig mit deutlich weniger Geld auskommen, zugleich eine Antwort auf die Herausforderung durch China finden und nebenbei in der Lage sein, einen großen Krieg zu gewinnen und gleichzeitig in aufflammenden kleineren Konflikten zumindest nicht zu verlieren. Schlanker, effizienter, schneller soll das US-Militär werden, kündigte US-Präsident Barack Obama an. In den nächsten zehn Jahren sollen Amerikas Verteidigungsausgaben um insgesamt 487 Milliarden Dollar sinken. Verteidigungsminister Leon Panetta kündigte am Donnerstag erste Einzelheiten seines Sparkurses an.
So sollen die Verteidigungsausgaben im kommenden Jahr um neun Prozent zurückgefahren werden. Panetta kündigte eine Kürzung des noch bis September geltenden derzeitigen Budgets in Höhe von 671 Milliarden Dollar (gut 510 Milliarden Euro) auf 613 Milliarden Dollar in den darauf folgenden zwölf Monaten an. In einem vorab verbreiteten Statement hieß es bereits, der Ansatz sei, stärkste Militärmacht der Welt zu bleiben und die Truppen nicht auszuhöhlen.
Schon seit Wochen ist klar, dass die Kürzungen nicht gleichmäßig verteilt werden: Manche Bereiche werden stärker von den Einsparungen betroffen sein, andere dürften sogar noch mehr Geld als bisher bekommen. So soll das Heer von 570.000 auf 490.000 Soldaten im Jahr 2017 schrumpfen, wovon vor allem Europa betroffen ist: Zwei der vier US-Brigaden werden voraussichtlich abgezogen.
Die Drohnenflotte wird dagegen gestärkt. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, will Panetta den Bestand an unbemannten Flugzeugen in den nächsten Jahren um satte 30 Prozent steigern.
Derzeit betreibe die Air Force rund um die Uhr 61 Drohnen-Kampfpatrouillen mit bis zu vier Flugzeugen pro Einsatz. Panettas Plan sehe vor, genug Drohnen für bis zu 85 Dauereinsätze zu haben. 65 Patrouillen sollen jederzeit leicht zu bewältigen sein. Damit würde der Drohnen-Boom seine Fortsetzung finden: Die Ausgaben des US-Militärs für die unbemannten Flieger haben sich zwischen 2002 und 2011 von 550 Millionen auf fast fünf Milliarden Dollar nahezu verzehnfacht.
"Global Hawk"-Programm wird angeblich eingestellt
Zugleich tauchten überraschend Berichte auf, laut denen die US-Luftwaffe das "Global Hawk"-Programm vorzeitig beenden will. Die RQ-4 ist nicht nur die weltgrößte Militärdrohne, sondern gilt als leistungsfähigstes unbemanntes Aufklärungsflugzeug der USA. Unter der Bezeichnung "Euro Hawk" ist es auch bei der Bundeswehr aktiv. Eigentlich soll die Drohne bis 2015 das in die Jahre gekommene Spionageflugzeug U-2 ersetzen. Der betagte Flieger soll jetzt aber bis 2023 im Dienst bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen US-Beamten.
Laut Loren Thompson vom Lexington Institute in Virginia plant die Air Force aus Kostengründen die Anschaffung einer anderen Version der RQ-4-Drohne, die der Rüstungskonzern Northrop Grumman derzeit für die Marine entwickle. Das "Broad Area Maritime Surveillance"-System habe in Tests überzeugt, die Navy wolle 68 Exemplare kaufen. Ein Vorführmodell habe in den vergangenen Wochen bereits die Straße von Hormus überwacht - jene für die Weltwirtschaft lebenswichtige Öltransportroute, die Iran zu schließen droht.
Sollte der Kongress den Etatplan der Regierung akzeptieren, der in zwei Wochen eingereicht werden soll, würde das "Global Hawk"-Programm nach der Anschaffung von 21 Flugzeugen gestoppt - und nicht, wie zuvor geplant, nach 31 Exemplaren. Die Air Force hat den Bericht nicht kommentiert. Northrop teilte mit, es seien keine Änderungen an den "Global Hawk"-Plänen bekannt.
Flugzeugträgerflotte bleibt unangetastet
Die Drohnen stehen im Zentrum der neuen Strategie Amerikas, sein Militär fit für die Zukunft zu machen. Denn trotz schrumpfender Mittel will Obama die Präsenz im Pazifikraum verstärken, nicht zuletzt, um der Konkurrenz durch China zu begegnen, das sein Militär mit atemberaubender Geschwindigkeit modernisiert. Waffensysteme, die große Gebiete abdecken können - also Flugzeugträger, Langstreckendrohnen und moderne Kampfflugzeuge - sind dafür unverzichtbar.
Eine wichtige Rolle spielt nach wie vor der Kauf von rund 2500 Exemplaren des neuen Stealth-Kampfjets F-35 "Lightning II", der für die künftigen Aufgaben des US-Militärs eine wichtige Rolle spielen wird. Das Pentagon will jedoch die Anschaffung von rund hundert F-35 über einen längeren Zeitraum strecken. Auch die Flugzeugträgerflotte soll unangetastet bleiben, wie Panetta bereits mehrfach betont hat: Es sei eine "langfristige Verpflichtung" der Regierung Obama, elf Flugzeugträger im Einsatz zu haben. Sie seien "ein wichtiger Teil unserer Fähigkeit zur Machtprojektion im Nahen Osten und im Pazifik", sagte der Verteidigungsminister.
Auch die Spezialkräfte sollen von den neuen Budgetplänen profitieren: Laut "Wall Street Journal" will Panetta die Sondertruppen bis 2015 um zehn Prozent wachsen lassen, von derzeit 63.750 auf 70.000 Mann. Zudem sollen sie auf eine größere Zahl kleinerer Stützpunkte weltweit verlegt werden, um jederzeit schnell reagieren zu können. Einsätze wie die der Navy Seals, die am Mittwoch in Somalia in einer Kommandoaktion zwei Geiseln befreit haben, würden dann wohl häufiger vorkommen.
Die Sparpläne haben Obama seitens der republikanischen Opposition zwar den Vorwurf eingebracht, die Streitkräfte kaputtzusparen. Doch gejammert wird nach wie vor auf hohem Niveau: 671 Milliarden Dollar werden die USA für ihr Militär ausgeben: Die aktuellen Kampfeinsätze kosten 118 Milliarden Dollar, der Basishaushalt des Pentagons beträgt 553 Milliarden. Zum Vergleich: 2008, im letzten Amtsjahr von Präsident George W. Bush, musste das Pentagon mit 480 Milliarden Dollar auskommen.
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