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06.03.2012
 
45 Prozent weniger Gewinn
Merkels Energiewende vermasselt RWE-Geschäft
DPA
Die Energiewende in Deutschland belastet das Geschäft der großen Stromkonzerne, beim Branchenführer RWE hat sich der Gewinn im vergangenen Jahr fast halbiert. Außer dem Atomausstieg sieht der Konzern noch einen weiteren Grund für seine Misere: das teure Gas aus Russland.

Essen - 2011 war für den Essener Stromriesen RWE ein schwarzes Jahr. Der deutsche Atomausstieg bescherte dem Konzern einen drastischen Gewinneinbruch. Das betriebliche Ergebnis des Konzerns sank um 24 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis verringerte sich sogar um 45,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.
Allein der im vergangenen Jahr beschlossene Atomausstieg hat sich laut dem Konzern mit deutlich mehr als einer Milliarde Euro in der Bilanz niedergeschlagen. Die Entscheidung der Bundesregierung, schneller aus der Kernenergie auszusteigen und einige Kraftwerke sofort stillzulegen, hatte RWE wie auch die anderen deutschen AKW-Betreiber E.on , EnBW und Vattenfall im vergangenen Frühjahr kalt erwischt.
RWE musste die beiden Blöcke des Atomkraftwerks im hessischen Biblis stilllegen, die bis dahin zu den Gewinnbringern des Konzerns gezählt hatten. Zusätzliche Belastungen muss der Konzern durch die neue Brennelementesteuer hinnehmen. Im Gasgeschäft machen RWE teure Verträge mit Lieferanten wie dem russischen Gazprom-Konzern zu schaffen.
Dennoch will RWE seine Schwächephase schnell überwinden. Der scheidende Konzernchef Jürgen Großmann sagte am Dienstag: "Wir haben die nötigen Maßnahmen eingeleitet, um die Talsohle zügig zu durchschreiten." So plant der künftige Konzernchef Peter Terium ein neues Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung, das in den Jahren 2013 und 2014 zu Kostensenkungen von rund einer Milliarde Euro führen soll.
Der Ausblick ist bescheiden
Die Aktionäre müssen sich in diesem Jahr mit einer niedrigeren Dividende begnügen. Sie von 3,50 Euro je Aktie auf zwei Euro sinken. Für das laufende Jahr gab der Konzern erstmals einen Ausblick. Danach soll sich das nachhaltige Nettoergebnis "stabil" entwickeln. Auch 2013 soll auf dem Niveau von 2011 liegen.
Die Stromerzeugung ging im RWE-Konzern im vergangenen Jahr um neun Prozent auf knapp 206 Milliarden Kilowattstunden zurück. Hier machte sich nicht nur die Stilllegung des Kernkraftwerks Biblis bemerkbar. Auch mehrere konventionelle Kraftwerke in den Niederlanden und Großbritannien waren wegen Revisionsarbeiten, Reparaturen und Umbauarbeiten zeitweise nicht verfügbar. Der Stromabsatz sank um fünf Prozent.
Auch die Gaslieferungen des Konzerns an Privat- und Industriekunden verringerten sich um 19 Prozent auf 322 Milliarden Kilowattstunden. Neben der milden Witterung hatte der Konzern hier auch mit dem härter werdenden Wettbewerb zu kämpfen.
Dagegen konnte die auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien spezialisierte Konzerntochter RWE Innogy ihr Ergebnis mit 181 Millionen Euro mehr als verdoppeln.
 
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