SPIEGEL ONLINE
08.03.2012
 
US-Untersuchung
Afghanische Luftwaffe unter Schmuggelverdacht
Haben afghanische Luftwaffensoldaten in Militärmaschinen Drogen und Waffen geschmuggelt? Diesem Verdacht jedenfalls gehen nach Angaben des "Wall Street Journal" Ermittler der US-Armee nach. Die Afghanen weisen die Vorwürfe zurück.
Kabul - Die USA prüfen Vorwürfe, wonach afghanische Luftwaffen-Angehörige in Drogen- und Waffenschmuggel verwickelt sein sollen. Den Hinweisen werde nachgegangen, sagte ein Sprecher des Nato-Ausbildungseinsatzes am Hindukusch am Donnerstag. Ob es für ein Ermittlungsverfahren reiche, stehe noch nicht fest.
Das "Wall Street Journal" berichtete, einige afghanische Luftwaffen-Vertreter hätten angeblich mit Militärmaschinen illegal Betäubungsmittel und Waffen im Land transportiert. Die USA prüften zudem, ob ein Zusammenhang bestehe zu einem Vorfall im vergangenen April, als ein afghanischer Luftwaffenoffizier sechs US-Soldaten auf dem Flughafen von Kabul getötet hatte.
Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. Der Luftwaffenkommandeur Abdul Wahab Wardak wies die Vorwürfe zurück. "So etwas tun wir nicht", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
Erste Hinweise deuten nach Angaben der Zeitung allerdings darauf hin, dass hochrangige Militärs in den Schmuggel verwickelt sein oder zumindest die Augen vor dem Treiben verschlossen haben könnten. Derzeit kümmern sich die Amerikaner allein um die Ermittlungen, es sind keine afghanischen Kollegen in die Untersuchungen involviert. Die afghanische Luftwaffe ist weitgehend mit US-Geldern finanziert worden.
In der Vergangenheit war amerikanischen Beratern der Afghanen aufgefallen, dass immer wieder Helikopter ohne Freigabe oder Flugplan verschwinden. Ganz besonders aufgefallen ist Zeugen laut dem Bericht, dass an der Laderampe 5 des Internationalen Flughafens Kabul unangekündigte Landungen stattfanden und das Transportgut in aller Eile fortgeschafft wurden. Daraufhin hatten die Mitarbeiter der US-Luftwaffe, allen voran ein Lieutenant Colonel Frank Bryant, schon im vergangenen Jahr auf eine stärkere Transparenz von Ladung und Flugzielen gedrungen. Dieser Bryant wiederum starb bei der Attacke im April. Die Ermittler vermuten nun, dass der Anschlag gezielt Bryant gegolten haben könnte, um dessen Nachforschungen in Sachen Drogenschmuggel zu verhindern.
90 Prozent des weltweiten Opiums wird in Afghanistan produziert. Die radikalislamischen Taliban finanzieren sich zu einem Großteil über Drogenhandel. Die afghanische Luftwaffe verfügt über 86 Maschinen, davon 16 C-27-Frachtflugzeuge, 41 Mi-17-Transporthubschrauber aus russischer Produktion und 11 Mi-35-Kampfhubschrauber, ebenfalls russischer Bauart. Bis 2016 soll die Flotte - mit Unterstützung der westlichen Partner - auf 145 Maschinen ausgebaut werden.
 
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