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14.03.2012
 
Energiekonzern
Atomausstieg reißt Milliardenloch in E.on-Bilanz
dapd
Der größte deutsche Energiekonzern E.on ist zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte tief in die roten Zahlen gerutscht: Der Jahresverlust 2011 betrug 2,2 Milliarden Euro. Als Grund für den Absturz nennt E.on unter anderem die sofortige Stilllegung von Atomkraftwerken aufgrund der Energiewende.
Düsseldorf - Es ist ein historisches Loch: Erstmals in seiner Firmengeschichte hat der größte deutsche Strom- und Gaskonzern E.on einen Verlust erwirtschaftet - und der Absturz ist tief. 2,2 Milliarden Euro Verlust meldet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2011, nachdem die Bilanz im Jahr zuvor noch einen Gewinn von 5,8 Milliarden Euro ausgewiesen habe.
Als Hauptgründe für den Gewinneinbruch nannte E.on die Abschaltung mehrerer Kernkraftwerke infolge des Atomausstiegs, ein schwaches Gashandelsgeschäft und ein niedrigerer Energieverbrauch. Zudem musste der Konzern milliardenschwere Abschreibungen in Italien und Spanien verbuchen.
Ausblick: Optimistisch
"Politische Entscheidungen und massive Veränderungen in unseren Märkten stellen uns vor nie gekannte Herausforderungen", schrieb Vorstandschef Johannes Teyssen im Geschäftsbericht an die Aktionäre. Der größte AKW-Betreiber in Deutschland hatte seine Meiler Isar 1 und Unterweser stilllegen müssen, die dem Konzern jahrelang die Kasse gefüllt hatten. Die Abschaltung der Meiler und die Brennelementesteuer hätten das Ergebnis mit 2,5 Milliarden Euro belastet. Im Gashandel, wo E.on unter teuren Langfristverträgen mit Unternehmen wie Gazprom leidet, fuhr der Versorger einen Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich ein.
Als Folge des Gewinneinbruchs soll die Dividende von 1,50 Euro auf einen Euro gekürzt werden. Trotz der dramatischen Zahlen gibt sich E.on optimistisch: Man habe 2011 die Talsohle durchschritten und werde schon im laufenden Jahr wieder einen deutlichen Gewinn erzielen.
Händler an der Börse hatten offenbar mit noch schlechteren Zahlen gerechnet - weil der Fokus jetzt auf dem Ausblick für die kommenden Jahr liegt, hätten die optimistischen Prognosen die E.on-Aktie vorbörslich ins Plus gehoben.
Der deutsche Atomausstieg belastet auch die anderen großen Energieversorger in Deutschland. RWE und EnBW hatten in den vergangenen Wochen ebenfalls zurückgehende Gewinne gemeldet.
 
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