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20.03.2012
 
Missbrauchsbeauftragter Rörig
"Im Moment keinen genauen Überblick"
100 Millionen Euro sollen von Bund und Ländern für Missbrauchsopfer bereitgestellt werden. Doch wie weit die Planungen fortgeschritten sind, weiß selbst Johannes-Wilhelm Rörig nicht. "Die Betroffenen drängen. Und das zu recht", sagt der Missbrauchsbeauftragte.
Berlin - Die Umsetzung der Vorschläge des Runden Tisches für die Opfer sexuellen Missbrauchs geht offenbar nicht so schnell voran wie erhofft. Vier Monate nach dem Ende der Beratungen hätten die zuständigen Bundesministerien noch kein Konzept vorgelegt, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. "Vier Monate sind aus Sicht der Betroffenen eine sehr lange Zeit", so Rörig. "Die Betroffenen drängen. Und das auch zu recht."
Der Runde Tisch hatte sich Ende November auf ein Maßnahmenpaket verständigt. Dabei geht es um schnelle Hilfen für Opfer, um Therapien und Entschädigungen, aber auch um Prävention. Ein zentraler Vorschlag besteht darin, einen Hilfsfonds mit 100 Millionen Euro einzurichten. Der Bund zeigte sich damals bereit, die Hälfte zu finanzieren. Die Länder sollen die anderen 50 Millionen stemmen.
Rörig sagte, er habe einen Sachstandsbericht bei der Bundesregierung angefordert. "Der konnte mir aus Zeitgründen nicht gegeben werden, so dass ich im Moment keinen genauen Überblick darüber habe, wie weit die Umsetzung vorangeschritten ist." Vor allem wisse er nicht, ob die Länder die nötigen 50 Millionen Euro zugesagt hätten.
Dagegen gehe es bei der Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch in Institutionen voran. Die Kirchen, Wohlfahrtsverbände und auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seien hier "äußerst hilfreich und konstruktiv".
Der Runde Tisch war im Frühjahr 2010 von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) geleitet worden. Unter den Teilnehmer waren Vertreter von Opferverbänden, Richter, Landesminister und Jugendpsychiater. Die Arbeitsgruppe wurde ins Leben gerufen, nachdem in katholischen und anderen Einrichtungen wie der renommierten Odenwaldschule in Hessen etliche Missbrauchsfälle bekannt geworden waren.
An diesem Dienstag bildet sich ein Fachbeirat, der die Arbeit von Rörig und die Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches begleiten soll.
 
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