Hertha BSC
Spott für Sportdirektor Preetz
Unglücklicher Versuch: Auf der Internetseite von Hertha BSC wollte Michael Preetz die Fans vom Klassenerhalt überzeugen. Doch das ging gewaltig nach hinten los, Berlins Sportdirektor erntet für sein Selbst-Interview vor allem Hohn.
Hamburg - Die "Alte Dame" gibt in dieser Saison eine ziemlich traurige Figur ab. Eigentlich hatte Hertha BSC gut begonnen, doch mittlerweile sind die Berliner Vorletzter. Dem Aufsteiger droht der direkte Abstieg. Daran hat auch Sportdirektor Michael Preetz mit unglücklichen Personalentscheidungen seinen Anteil.
Nach der
1:4-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg meldete sich Preetz am Sonntag auf der Website des Clubs zu Wort. Wochenlang hatte der 44-Jährige nicht mit Journalisten gesprochen, obwohl er als Geschäftsführer auch für den Bereich Kommunikation und Medien verantwortlich ist.
Preetz wollte mit seinem Internet-Auftritt den Fans Mut machen, stattdessen kassiert er Hohn und Spott dafür. Die Boulevardzeitung "BZ" titelte: "Preetz' Gaga-Brief an die Fans". Der "Tagesspiegel" schreibt von "fragwürdiger Kommunikation", und dass die Wege von Preetz manchmal unergründlich seien. Auf der offiziellen Facebook-Seite des Clubs reagierten die Fans mit Unverständnis. "Wegen diesem 'Supermanager' steigt Hertha doch noch ab", schrieb ein Anhänger.
Befremdlich war zumindest die Art und Weise, wie sich der frühere Stürmer äußerte. Der 44-Jährige beginnt seine Stellungnahme wie einen offenen Brief: "Liebe Fans, hier spricht Michael Preetz". Nach einer kurzen Einleitung folgen fünf Fragen, die ungenannte Medienvertreter gestellt hätten, und fünf Antworten - eine Art Selbst-Interview.
"Manchmal besser, wenn man nichts sagt"
Preetz gibt sich dabei kämpferisch und zuversichtlich: "Otto Rehhagel, Rene Tretschok und Ante Covic haben die mentale und kämpferische Trendwende geschafft." Trotz einem Torverhältnis von 5:15 in sechs Spielen unter Rehhagel, trotz des Absturzes auf Rang 17. Den größten Spott musste der Sportdirektor aber wegen der letzten Frage hinnehmen. Auf "Und was, wenn der Abstieg trotzdem passiert?" antwortete Preetz erst gar nicht - denn er denke immer positiv.
Im Dezember warf er
Trainer Markus Babbel raus - Ende einer wochenlangen Hängepartie um Babbels Zukunft. Wer dafür hauptverantwortlich war - Babbel oder Preetz - , darüber lässt sich streiten. Offensichtlich war aber die gestörte Kommunikation zwischen Preetz, dem Coach und der Öffentlichkeit.
Zu diesem Zeitpunkt stand die Hertha zum Abschluss der Hinrunde auf Rang elf, mit dem Abstieg schien der Club nichts zu tun zu haben. Als Nachfolger holte der Sportdirektor Michael Skibbe - ein nahezu groteskes Trainer-Missverständnis. Skibbe verlor fünfmal
und musste gleich wieder gehen. Seit Ende Februar soll nun Rehhagel die Hertha retten. Der 73-Jährige gewann bislang zwei Spiele und kassierte vier Niederlagen. Sollte Berlin absteigen, dürfte auch Preetz kaum noch zu halten sein.
Vielleicht hätte er am Sonntag besser auf Rehhagel gehört. "Manchmal ist es auch besser, wenn man nichts sagt", hatte der Trainer nach der Niederlage gegen Wolfburg bekundet.
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