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22.04.2012
 
Barça-Pleite im Clásico
Entzauberung der Zauberhaften
Von Nils Lehnebach
AFP
Die Meisterschaft verspielt, in der Champions League unter Druck: Der FC Barcelona leistet sich eine Schwächephase zur Unzeit. Dabei schien der Club in der Vergangenheit große Partien gar nicht verlieren zu können. Nun sind auch die jungen Spieler gefordert.
Hamburg - Xavi starrte aufs Feld, man konnte ihm ansehen, wie er grübelte. Der Spielmacher des FC Barcelona war im Clásico gegen Real Madrid nach knapp 70 Minuten ausgewechselt worden. Da saß er nun auf der Bank, nachdenklich, aber offenbar ohne Ideen.
Eine Minute nach seiner Auswechslung glich der für ihn gekommene Alexis Sánchez zwar noch aus, doch Cristiano Ronaldo schoss Real schließlich zum 2:1 (1:0)-Auswärtssieg. Für Barcelona ist damit, bei sieben Punkten Rückstand und noch vier ausstehenden Spielen, nicht nur die Meisterschaft verloren. Noch schlimmer: Vier Tage nach der 0:1-Pleite im Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea haben sie erneut ein Spitzenspiel vergeigt. Und das völlig verdient.
Über Jahre liebte Barça diese großen Spiele - und sie gewannen sie fast immer. 2007 hatten die Mannschaft zuletzt zu Hause gegen Real verloren, im Mai 2008 insgesamt das letzte Mal. Nun gab es für das Team von Trainer Josep Guardiola die erste Heimniederlage in der Liga nach 34 Spielen.
Barcelona nutzte seine wenigen Chancen nicht
"Wir haben den Weg nach vorne gesucht, aber wir hatten nicht die richtigen Lösungen. Wir hatten mehr Ballbesitz und die Kontrolle, trotzdem haben wir nicht gewonnen", sagte Guardiola nach dem Spiel.
Es sind ungewöhnliche Worte für einen Trainer des FC Barcelona. Egal wie sich der Gegner wehrte, wie groß der Widerstand auch war - Barça fand eigentlich immer eine Lösung. Das schlimmste Eingeständnis Guardiolas aber war: "Wir waren weit davon entfernt, viele Tore zu schießen."
Barcelona hat Madrid vergangene Saison 5:0 besiegt, zwei Jahre davor 6:2. Nun aber waren sie mit dem defensiven Riegel des Gegners überfordert. Xavi (27.) hatte eine Großchance, dazu der junge Cristian Tello zwei weitere Möglichkeiten. Mehr nicht. Unter der Woche gegen das ebenfalls nur auf die Defensive ausgerichtete Chelsea war es ähnlich gewesen.
Die jungen Spieler müssen sich steigern
Anders als Real, das über fast 20 Spieler verfügt, die Erfahrung und Talent haben, ist Barcelonas Kader dünner besetzt. Zumal Stürmer David Villa (Schienbeinbruch) seit dem Winter ausfällt und Linksverteidiger Éric Abidal nach seiner Lebertransplantation ebenfalls nicht einsatzfähig ist.
Es war schon immer Barcelonas Maxime, derartige Lücken mit hochtalentierten Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu schließen. Nur so wurden Xavi, Andrés Iniesta und Sergio Busquets zu dem, was sie heute sind. Doch die neue Generation, der schnelle Außenstürmer Tello (21 Jahre) und Mittelfeldmann Thiago Alcántara (20) scheinen noch nicht bereit für die ganz großen Spiele. Alcántara deutete zwar sein großes Talent an, spielte aber zu viele Fehlpässe und verlor wichtige Zweikämpfe. Tello hätte zum Matchwinner werden können, vergab aber zwei Großchancen.
Sie werden vermutlich am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Rückspiel gegen Chelsea wieder spielen. Dort müssen sie bessere Leistungen zeigen. Ein Jahr ohne Meisterschaft ist in Barcelona noch verzeihbar, eine Saison ganz ohne großen Titel jedoch nicht. Will Barça seine Saison retten, muss es ins Endspiel einziehen - und dort triumphieren.
"Die vergangenen Tage waren sehr schwer für uns", sagte Guardiola. Die kommenden könnten noch schlimmer werden.
FC Barcelona - Real Madrid 1:2 (0:1)0:1 Khedira (17.)
1:1 Sánchez (70.)
1:2 Ronaldo (73.)
Barcelona: Víctor Valdés - Dani Alves, Mascherano, Puyol, Adriano (74. Pedro) - Xavi (69. Sánchez), Busquets, Thiago Alcantara - Tello (81. Fàbregas), Messi, Iniesta
Madrid: Casillas - Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Fábio Coentrão - Xabi Alonso, Khedira - Di María (73. Granero), Özil (89. Callejón), Cristiano Ronaldo - Benzema (90.+3 Higuaín)
Schiedsrichter: Undiano Mallenco
Zuschauer: 99.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Busquets (8), Dani Alves (7), Mascherano (5) - Pepe (9), Xabi Alonso (11), Özil (3), Granero (2)
 
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