SPIEGEL ONLINE
23.05.2012
 
Schuldenkrise
Sechs Folgen eines griechischen Euro-Austritts
Die Spekulationen über einen Abgang Griechenlands aus dem Euro reißen nicht ab. Der frühere Regierungschef Papademos warnt vor "katastrophalen" Konsequenzen, und die Kurse an den Börsen weltweit fallen weiter. Was aber wären die Folgen, wenn Griechenland die Währungsunion verlässt? Ein Überblick.
Hamburg - Das Problem erscheint unlösbar: Die Parlamentswahlen in Griechenland haben keine funktionsfähige Regierung hervorgebracht; die große Gewinnerin der Wahl vom 6. Mai, die linksradikale Syriza-Partei, lehnt es ab, die Sparvorgaben der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu erfüllen. Aus den Neuwahlen, die voraussichtlich am 17. Juni stattfinden werden, könnte die Partei sogar als stärkste Kraft hervorgehen.
Wenn Parteichef Alexis Tsipras seine Versprechen wahrmacht und das Sparprogramm lockert, könnte das eine fatale Kettenreaktion in Gang setzen. Die internationale Gemeinschaft dürfte dann ihre Zahlungen an das hochverschuldete Land einstellen. Die Regierung in Athen müsste ihren Schuldendienst stoppen. Vermutlich würden dann auch die griechischen Banken pleitegehen. Hellas könnte sich vom Euro verabschieden und die Drachme wieder einführen.
Über die Folgen für Griechenland, die Euro-Länder und den Rest der EU wird derzeit viel spekuliert und diskutiert. Der bis vergangene Woche amtierende griechische Ministerpräsident Loukas Papademos warnte sein Land in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" vor dem Schritt: "Ich teile die Ansicht, dass die Konsequenzen für die Euro-Zone, also ihr Finanzsystem und die Realwirtschaft, tiefgreifend, und die Kosten signifikant und weitreichend sein werden." Auch Volkswirtschaften und Länder außerhalb der Euro-Zone, sagte Papademos, würden davon betroffen sein.
Athens heikle Lage dürfte am Mittwoch auch Thema beim EU-Sondergipfel in Brüssel sein. Die 27 Staats- und Regierungschefs beraten vorrangig über Wachstumsimpulse für die europäische Wirtschaft, aber eben auch darüber, wie es mit Griechenland weitergeht. Der Austritt eines Landes aus der Währungsunion ist in den EU-Verträgen jedenfalls nicht vorgesehen. Möglicherweise müsste Griechenland deshalb nicht nur aus der Euro-Zone, sondern auch aus der EU austreten. Sicher ist, dass hinter den Kulissen die Vorbereitungen für den Ernstfall längst begonnen haben.
Doch was passiert nach dem Abgang der Griechen? Müssen weitere Staaten um die Euro-Mitgliedschaft bangen? Was passiert an den Börsen? Und was kostet die Trennung Deutschland? Die Auswirkungen hat SPIEGEL ONLINE in einer interaktiven Grafik zusammengefasst.
 
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