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29.05.2012
 
Verbraucherpreise
Inflation in Deutschland geht zurück
DPA
Eine der größten Sorgen deutscher Verbraucher wird kleiner: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai gefallen, auf unter zwei Prozent. Der Grund dafür ist vor allem der günstige Ölpreis, Heizöl, Benzin und Diesel wurden billiger. Experten warnen allerdings: Die Entspannung sei nicht von Dauer.
Wiesbaden - Die Preise für Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen sind weiter gesunken und haben die Inflationsrate im Mai unter die Marke von zwei Prozent gedrückt. Sie sank von 2,1 Prozent im April auf 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte und liegt damit zum ersten Mal seit Dezember 2010 unter der Marke, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht.
Als Hauptgrund für den geringeren Preisauftrieb nennen die Statistiker die günstigeren Preise von Mineralölprodukten, also Benzin, Diesel und Heizöl. Der für die gesamte EU errechnete sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist ebenfalls gesunken, auf 2,1 Prozent.
Aufatmen können die Verbraucher in Deutschland aber noch nicht: Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Inflationsrate nicht auf Dauer so niedrig bleiben wird: "Die Löhne und Gehälter steigen in Deutschland wegen der guten Konjunktur und der geringen Arbeitslosigkeit spürbar", sagt die Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. "Die Unternehmen werden versuchen, die steigenden Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen." Rondorf rechnet deshalb damit, dass die Kosten für die Lebenshaltung "bald auf breiter Front stärker steigen".
Nach Prognose der Sal. Oppenheim-Expertin Ulrike Kastens werden die deutschen Verbraucherpreise sogar stärker zulegen als in der Euro-Zone insgesamt - bisher war es meistens umgekehrt. "Unsere Konjunktur läuft besser als anderswo, und auch die Löhne steigen bei uns schneller", sagt Kastens. 2013 dürften die Preise hierzulande um durchschnittlich zwei Prozent zulegen, in der Euro-Zone insgesamt dagegen nur um 1,7 Prozent.
Ökonomen sehen vor allem vier große Risiken, die in Deutschland die Preise und damit die Inflationsrate wieder in die Höhe treiben könnten:
Lohn-Preis-Spirale: Viele Arbeitnehmer haben unter Verweis auf die gute Konjunktur kräftige Lohnerhöhungen durchsetzen können: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Kosten aufzufangen, in dem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.
Lockere EZB-Geldpolitik: Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB eigentlich ihre Zinsen anheben. Mit höheren Kreditkosten kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.
Schwacher Euro: Wegen der wieder aufflammenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar war er in der vergangenen Woche so billig wie zuletzt im Sommer 2010. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmarkt werden Rohstoffe aber überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.
Große Liquidität: Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld die Geldentwertung beschleunigen.
Bevor die Risiken aber Wirklichkeit werden, sei die gesunkene Inflationsrate aber "für Verbraucher und Konjunktur eine gute Nachricht", sagt der GfK-Konsumforscher, Rolf Bürkl. "Das stützt die Kauflaune, denn die Deutschen reagieren auf Inflation sensibler als andere Europäer."
 
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