Austausch-Log Südafrika
Vor dem Spiegel sind wir alle gleich
In Berlin durfte er anziehen, was er wollte, in Südafrika wachen ältere Schüler über seine Frisur und seine Klamotten. Doch inzwischen zwängt Austauschschüler Markus, 16, sich sogar gern in seine Schuluniform. Und er hat gelernt: Wer richtig auffallen will, muss Tennis spielen.
Früher dachte ich, Schuluniformen sind doof. Seitdem ich in Südafrika zur Schule gehe, sehe ich das anders. In meiner Schule ist es strikt vorgeschrieben, wie wir uns zu kleiden und zu pflegen haben.
In den Schulregeln steht zur Sommeruniform der Jungen: "Lange oder kurze graue Anzughose, weißes kurzärmeliges Hemd, schwarze Schuhe, graue Socken, schwarzer Gürtel, Blazer oder Pullover sind optional." Für die Mädchen gilt im Sommer: "Schulkleid, weißes kurzärmeliges Hemd, weiße Socken, schwarze Schuhe, Blazer oder Pullover optional". Im Winter dürfen sie noch einen schwarzen Schal tragen.
Interessant sind auch die allgemeinen Hygieneregeln: Wir Jungen müssen unsere Haare kurz tragen ("Haare dürfen weder Augen noch Ohren berühren genauso wenig wie den Nacken"), unsere Nägel müssen wir stets kurz schneiden und uns jeden Tag rasieren. Die Mädchen müssen ihre Haare zusammenbinden.
Meist achten nicht die Lehrer darauf, dass wir die Regeln einhalten, sondern der Prefix. Das ist eine bestimmte Gruppe von Mädchen und Jungen aus der diesjährigen Abschlussklasse. Sie achten auf die Kleidung, das Benehmen und auf das Einhalten der Schulregeln.
Am letzten Tag im Schuljahr dürfen Schüler meist ihre Uniform zu Hause lassen - wenn sie fünf Rand (50 Cent) bezahlen. Mit dem Geld wird zum Beispiel das Abschiedsgeschenk für die Seniorklassen bezahlt. Meist bleiben die Schüler aber zu Hause, um für Prüfungen und Klausuren zu lernen. Ihre Eltern melden sie dann krank. Am letzten Tag lernen sie sowieso nichts, meinen sie.
Wer unbedingt auffallen will, schafft es auch mit Uniform
Am Anfang fiel es mir schwer, mich an die Schuluniform zu gewöhnen. Doch inzwischen fühle ich mich ganz wohl. Ich friere beispielsweise nie in der Uniform. Außerdem ist eine Schuluniform einfach schön, so old school. So muss auch keiner Markensachen präsentieren, wie die neuesten Schuhe oder die teuerste Hose. Stattdessen haben einige Kinder das neueste Handy. Mit was anderem könnten sie ja nicht angeben. Selbst bei den Schultaschen wird darauf geachtet, dass es keine Designerhandtasche ist.
Wer trotzdem herausstechen will aus der Masse, kann sich sportlich oder sozial engagieren. Wer beispielsweise in der Schule Tennis spielt, bekommt einen Sticker, den er sich auf den Blazer nähen kann.
Meist holen die Eltern ihre Kinder nach der Schule am Haupteingang ab, dort sieht man, wer mehr verdient als andere. Viele der Eltern fahren riesige Schlachtschiffe, meist deutsche Automarken. "Schau, was ich habe" - darum geht es den meisten.
Wenn neue Schüler an unsere Schule kommen, sind sie eine Attraktion: Denn meist haben die noch keine Uniform. In Deutschland wäre es umgekehrt: Wer in Uniform statt in Markenschuhen und Designerjeans zur Schule kommt, wird angeglotzt.
Trotzdem wünsche ich mir keine Schuluniform für zu Hause. Der Kampf mit Prunk und Protz hat in Deutschland nachgelassen, finde ich zumindest, und niemand wird mehr ausgegrenzt, wenn er keine Markenklamotten trägt. Und wer unbedingt auffallen will, schafft es auch mit Uniform. Dann wird der Rock ein bisschen höher gezogen. Eine Rangordnung in der Schule wird es trotzdem geben.
Im Moment haben wir gerade Winter in Südafrika. Ich friere jetzt schon - wie soll ich nur den deutschen Winter überstehen? An manchen kalten Tagen, wenn es um die null Grad sind, vermisse ich echt meinen Wintermantel - wobei ich den hier natürlich nicht zur Schule tragen dürfte. Deswegen wärmen sich hier meine Mitschüler meist mit heißer Schokolade.
Markus Hintze hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.
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