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21.06.2012
 
Uni-Umfrage
Studenten fühlen sich wohl in der Masse
AP
Im Herbst schlugen die Universitäten Alarm, weil so viele Erstsemester in die Hörsäle strömten. Doch der Massenandrang führt nicht zum großen Frust unter Studenten: Eine Umfrage zeigt, dass sie überraschend zufrieden sind.
Man könnte meinen, dass es sich in Deutschland deutlich schlechter studiert als vor einem Jahr. Mehr Studenten als je zuvor bevölkern die Korridore, Seminarräume und Hörsäle der deutschen Hochschulen. 2011 schrieben sich erstmals über 500.000 Erstsemester für ein Studium ein.
Vor allem die doppelten Abiturjahrgänge in zwei Bundesländern und die Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst trieben die Zahl der Studienanfänger nach oben. Studenten hausten in Turnhallen und Kellerräumen, weil sie keine Wohnung fanden. Für Vorlesungen mietete man manchen Kinosaal an. In Hessen flehten fünf Unis öffentlich um Hilfe.
Doch so schlimm, wie es zunächst aussah, kam es dann doch nicht: Es klagen überraschend wenige Studenten über schlechtere Studienbedingungen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerks. Etwas mehr als 2000 Studenten aus allen Fachrichtungen an Universitäten und FHs füllten dafür im April einen Online-Fragebogen aus. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 29 Jahren alt.
Zum vergangenen Wintersemester drängten besonders viele junge Menschen neu an die Hochschulen. Für mehr als die Hälfte der Studenten, die schon davor eingeschrieben waren, haben sich die Studienbedingungen trotzdem kaum verändert. 16 Prozent sagten, ihre Studienbedingungen hätten sich seit dem Herbst eher verschlechtert. Fast genau so viele, nämlich 14 Prozent, sahen dagegen sogar Verbesserungen.
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Insgesamt bewerteten weniger Studenten ihre Studienbedingungen als sehr gut oder gut. Im Frühjahr 2011 waren noch drei von vier Studenten so positiv gestimmt, diesmal waren es nur noch zwei von drei. Das liegt allerdings daran, dass im April mehr Studienteilnehmer unentschieden waren oder aus anderen Gründen keine Angaben machten. Die Zahl derer, die die Studienbedingungen für weniger gut oder gar nicht gut halten, liegt unverändert bei knapp einem Viertel.
Dank des Hochschulpakts sei es offenbar gelungen, negative Auswirkungen des Studentenandrangs im Wintersemester auf die allgemeinen Studienbedingungen zu begrenzen, sagte IfD-Projektleiter Rüdiger Schulz. Mit dem Hochschulpakt wollen Bund und Länder gemeinsam die Zahl der Studienplätze steigern.
Weitere Ergebnisse der Umfrage sind:
Selbst in Bayern und Niedersachsen, wo 2011 zwei Jahrgänge gleichzeitig Abitur machten, hat sich für 61 Prozent der Studenten kaum etwas verändert. Dort berichteten die Studenten nicht häufiger von einer schlechteren Studiensituation als in den anderen Bundesländern. Wer Verbesserungen wahrnahm, lobte vor allem die weniger überfüllten Vorlesungen, Seminare und Kurse sowie ein besseres Arbeitsklima. Außerdem nannten mehrere Studenten als Pluspunkt, dass es ihnen jetzt leichter falle, das Studium zu finanzieren - etwa weil die Studiengebühren abgeschafft wurden. Nur noch Bayern und Niedersachsen halten am kostenpflichtigen Erststudium fest. In Hamburg fallen die Gebühren zum kommenden Wintersemester weg. Die Erfahrungen sind allerdings gemischt: Studenten, die über schlechtere Studienbedingungen klagten, führen ihrerseits an erster Stelle überfüllte Seminare, Vorlesungen und Kurse sowie eine schlechtere Betreuung an. Studenten aus Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, wo die Studiengebühren wieder abgeschafft wurden, bewerten ihre Studienbedingungen ein bisschen schlechter als der Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig sind in dieser Gruppe auch etwas mehr Studenten der Meinung, dass sich ihre Studiensituation im Vergleich zum letzten Semester verbessert hat.
Die Macher der Studie wollten von den Studenten auch wissen, wie sie in die Zukunft schauen. Die deutsche Wirtschaft stehe zwar im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone gut da. Aber auch hier müsse dringend gespart werden, um die hohe Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen.
Trotz der Schuldenkrise rechnen sich die meisten Studenten (71 Prozent) gute oder sehr gute Chancen aus, nach dem Studium schnell einen passenden Job zu finden. An Universitäten und Fachhochschulen antworteten die Befragten ungefähr gleich. "Dieser Optimismus spiegelt die aktuell starke Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften und Akademikern in Deutschland wider", sagte Sebastian Blohm, Sprecher des Reemtsma Begabtenförderungswerks. Allerdings zweifeln viele daran, dass ihre Aussichten auf Dauer so gut bleiben. Gut 40 Prozent der Studenten machen sich Sorgen, dass sich ihre Berufschancen in Zukunft verschlechtern könnten. Etwa die Hälfte hat solche Befürchtungen nicht. Dass die Probleme der Eurozone den deutschen Arbeitsmarkt belasten könnten, fürchten nur 15 Prozent aller Befragten. Mehr als jeder fünfte macht sich hingegen Sorgen, dass er nur einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen könnte. Junge Frauen sorgen sich außerdem deutlich häufiger darum, dass sich Beruf und Familie nicht vereinbaren lassen könnten. Junge Männer wie Frauen erwarten von ihrem zukünftigen Arbeitsplatz in erster Linie, dass er sicher ist. Studentinnen wollen am zweithäufigsten, dass er zu ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Studenten setzen hingegen öfter auf ein hohes Einkommen und gute Aufstiegschancen.
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