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27.06.2012
 
Ein-Kind-Politik
China feuert Offiziellen wegen Zwangsabtreibung
Eine Mutter liegt neben ihrem Kind, das sie auf Druck der Behörden im siebten Monat abtreiben musste: Dieses Bild aus China löste Entrüstung aus. Jetzt sind die Verantwortlichen bestraft worden.
Peking - Die Behörden in China haben mehrere Verwaltungsmitarbeiter in der Provinz Shaanxi bestraft, die eine Schwangere im siebten Monat zu einer Abtreibung gezwungen hatten. Der Chef der örtlichen Familienplanungskommission sei entlassen worden, der zuständige Mitarbeiter des Bezirks habe einen "administrativen Tadel" erhalten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Weitere Personen, unter anderem Mitarbeiter des Krankenhauses, in dem die Abtreibung vorgenommen wurde, bekamen demnach nicht näher benannte Strafen. Was die Verwaltung vor Ort getan habe, sei eine schwere Verletzung der Vorschriften zur Bevölkerungs- und Familienplanung, schrieb Xinhua.
Der Fall hatte international Entrüstung ausgelöst, weil er als krasses Beispiel für die extremen Maßnahmen gilt, mit denen chinesische Offizielle das Bevölkerungswachstum kontrollieren wollen. China versucht seit den siebziger Jahren, das Bevölkerungswachstum einzudämmen - deshalb wurde die äußerst unbeliebte Ein-Kind-Politik eingeführt. Insbesondere die sich entwickelnde breite Schicht der Wohlhabenden ist der Ansicht, die Regierung habe kein Recht, ihnen vorzuschreiben, wie viele Kinder sie bekommen können.
Derzeit leben in der Volksrepublik rund 1,3 Milliarden Menschen. Immer wieder gibt es Berichte über Offizielle, die Frauen zu Abtreibungen drängen, um Geburtsquoten zu erfüllen.
Laut Xinhua wurde die junge Mutter am 2. Juni in ihrem Haus abgeholt. Sie wurde gezwungen, ihre Zustimmung zu einer Abtreibung zu geben, weil sie schon ein Kind hatte. Demnach konnte die Familie nicht die Strafe von 40.000 Yuan, rund 5000 Euro, bezahlen, die für ein zweites Kind zu entrichten ist. Für diese Forderung der Behörden, so Xinhua, habe es keine legale Grundlage gegeben.
Der Fall war bekannt geworden, als der Ehemann Bilder veröffentlichte, die seine Frau neben dem toten Fötus zeigten. Auch die Familienmitglieder mussten sich teilweise Kritik anhören: Sie seien Verräter, weil sie mit ausländischen Medien gesprochen hätten.
 
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