Zinsmanipulation
Barclays-Chef gerät unter Druck
Britische Politiker und Wirtschaftsexperten machen Druck: Sie fordern Barclays-Chef Bob Diamond auf, sein Amt abzugeben. Der Manager soll Zinsen manipuliert haben. Jetzt muss er wohl auch mit strafrechtlichen Ermittlungen rechnen.
London - Der Druck auf den Chef der britischen Großbank Barclays , Bob Diamond, wächst. Gegen den Vorstandschef werden Rücktrittsforderungen laut. Mehrere britische Politiker und Wirtschaftsexperten forderten den 60-Jährigen auf zu gehen. "Wenn der Barclays-Aufsichtsrat auch nur ein bisschen Rückgrat hat, dann werfen sie ihn raus", sagte Finanzexperte Lord Matthew Oakeshott.
Premierminister David Cameron sagte am Rande des EU-Gipfels in Brüssel, der gesamte Vorstand habe "sehr ernste Fragen zu beantworten". Er sei entschlossen, "dass alle Lektionen des Skandals gelernt werden." Diese Verantwortlichen müssten zeigen, dass sie bereit sind, für ihre Taten einzustehen. "Es ist wichtig, dass das bis in die Spitze dieser Organisation geht", sagte Cameron. Bob Diamond zeigte sich indes versöhnlich: "Es tut mir leid, dass manche Menschen gegen unsere Werte verstoßen haben", sagte er.
Barclays muss wegen versuchter Zinsmanipulation an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das US-Justizministerium eine Rekordstrafe von rund 345 Millionen Euro (290 Millionen Pfund) zahlen. Die Großbank soll versucht haben, den sogenannten Liborsatz zu beeinflussen. Er gibt den Zinssatz an, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Die Barclays-Aktien verloren am Donnerstag phasenweise bis zu 17 Prozent.
Oppositionsführer Ed Miliband forderte strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen. Der britische Finanzminister George Osborne sagte: "Der Barclays-Chef muss noch einige sehr ernste Fragen beantworten: Was wusste er, was wusste er nicht? Wer wusste im Management Bescheid? Wer ist somit verantwortlich?"
Die dubiosen Geschäfte eines der führenden Kreditinstitute der Londoner City haben zugleich die Diskussion über mangelnde Regulierung der Akteure im größten Finanzzentrum Europas neu entfacht. Auch Osborne kritisierte die Banken und drohte am Donnerstag allen betroffenen Managern mit strafrechtlichen Ermittlungen.
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