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07.08.2012
 
Medaillenhoffnung Frank Stäbler
Springen und Ringen
Von Oliver Trust
FOTOSTRECKE
Frank Stäbler ist die Medaillen-Hoffnung des deutschen Ringens und soll bei den Olympischen Spielen in London für Furore sorgen. Vom Deutschen Ringer-Bund kann er kaum Unterstützung erwarten - dafür hilft ihm seine einzigartige Technik.
In den vergangenen Tagen ist Frank Stäbler durch die Hölle gegangen. Ohne Gnade zwang der 23-Jährige seinen Körper auf das Kampfgewicht von 66 Kilogramm herunter - sechs Kilo weniger als sein Normalgewicht. Der Griechisch-Römische Ringer hungerte, trank kaum, ging in dicker Trainingskluft viele Kilometer joggen, schwitzte in der Sauna. Am Ende konnte er kaum sprechen, seine Zunge klebte am trockenen Gaumen. "Wenn ich dusche, nehme ich wieder 200 Gramm zu, weil die trockene Haut Wasser aufnimmt", sagt Säbler. Mit seinen Qualen verfolgt er ein einziges Ziel: Der amtierende Europameister will bei den Olympischen Sommerspielen in London ganz vorne mitmischen.
Einen Tag vor dem entscheidenden Wettkampf am 7. August (ab 18.45 Uhr) musste der 1,73 Meter große Stäbler auf die Waage. Hätte die nur 100 Gramm mehr angezeigt als die geforderten 66 Kilo, wäre er disqualifiziert worden. Erst danach, rund 24 Stunden vor seinem Start, durfte Stäbler damit beginnen, seinen ausgezehrten Körper wettkampfgerecht aufzupäppeln - mit selbstgemachter Fleischbrühe. Seine Eltern haben sie zu Hause in Deutschland gekocht und tiefgefroren mit nach London gebracht.
Schwäbische Metzger als Sponsoren
Eine Wettkampf-Strategie, die wenig professionell und etwas unbeholfen anmutet - doch auf Hilfe vom weitgehend ehrenamtlich organisierten Deutschen Ringer-Bund (DRB) kann Stäbler kaum setzen. Um nach oben zu kommen, schuf sich der angehende Fachinformatiker deshalb sein persönliches, "ideales Umfeld" mit Familie und seinem Vereinstrainer Andreas Stäbler (mit dem er nicht verwandt ist). Auch um Sponsoren und das Marketing kümmerte er sich weitgehend selbst.
Als sein Management im Vorfeld der olympischen Wettkämpfe nach geeigneten Unternehmen suchte, meldeten sich Metzger, Bäcker und Fitnessstudios aus Stäblers Heimatregion in der Nähe von Stuttgart. Andere deutsche Olympioniken werden von Sportartikelherstellern oder großen Firmen unterstützt.
Dabei hat Stäblers Sportlergeschichte einiges zu bieten. Er ringt, seit er fünf Jahre alt ist - durch Zufall: Die Turngruppe im Sportkindergarten war bereits voll. Im Alter von 17 Jahren nahm er an seiner ersten Junioren-EM teil, belegte den siebten Platz. Seine erste Medaille bei einer internationalen Meisterschaft errang er mit Bronze im Jahr darauf. 2010 schaffte er es bei der Deutschen Meisterschaft auf den zweiten Platz - brach sich bei einem Autounfall im gleichen Jahr jedoch die Hüfte.
Nachdem er die Reha erfolgreich überstanden hatte, folgte sein vorläufiger Karrierehöhepunkt: die Europameisterschaft 2012 in Belgrad. Stäbler sicherte dem DRB die erste Goldmedaille seit 1994. Dabei prägte er einen ganz eigenen Stil - er überraschte seinen Gegner durch Sprungangriffe -, mit dem er auch in London punkten will. Doch hier kann er schon in der Auftaktrunde auf Weltmeister oder Olympiasieger treffen: "Du brauchst Losglück und Schiedsrichter, die möglichst objektiv werten", sagt Stäbler vor seinen ersten olympischen Wettkämpfen. Mindestens zwölf der 19 Starter in seiner Klasse kommen für den Sieg in Frage.
Stäbler versucht, dem Erwartungsdruck durch selbst auferlegte Professionalität zu begegnen. Inzwischen lässt er sich beraten und Dossiers über seine Gegner und deren Tricks erstellen. Um möglichst gelassen nach London zu reisen, unternahm er mit Freundin Sandra bereits im Januar einen Erkundungstrip in die britische Metropole - und reiste erst kurz vor seinem Wettkampf ins Vereinigte Königreich.
Waghalsiger Sprung ins EM-Finale
"Ziele", sagt Stäbler, "habe ich mir aber bewusst keine gesetzt. Man wird als Europameister nicht mehr unterschätzt und vieles hängt von der Tagesform ab." Bundestrainer Jannis Zamanduridis, zu dem Stäbler ein enges Verhältnis pflegt, traut Stäbler indes eine steile Karriere zu: "Er hat das Potential zum ganz Großen."
Das stellte er bei der EM in Serbien unter Beweis: Im Halbfinale lag er neun Sekunden vor Ende 2:4 gegen Alexander Maksimowic im Rückstand. Da sprang Stäbler kurzerhand von oben auf den völlig perplexen Serben und erzwang eine dritte Runde - die er gewann. Der waghalsige Sprung hat ihm den Spitznamen "fliegendes Eichhörnchen" eingebracht - und ihm zumindest schon zu Kultstatus verholfen.
 
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