Umstrittene Bankgeschäfte
Vatikan besteht Finanzkontrolle
Gute Noten in neun von 16 Punkten: Trotz zahlreicher Skandale hat der Vatikan eine Überprüfung seiner Finanzgeschäfte bestanden. Doch Experten des Europarats mahnen weitere Reformen an.
Straßburg/Rom - Geheimkonten, Waffengeschäfte, Schwarzgeld: Die Vatikanbank Institut der religiösen Werte (IOR) war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in Skandale verwickelt. Zuletzt sorgte
die Entlassung von Bankchef Gotti Tedeschi für Aufsehen. Der sollte bei IOR eigentlich eine neue Ära einläuten, geriet aber offenbar in der "Vatileaks"-Affäre zwischen die Fronten: Seit Monaten tobt im Kirchenstaat ein interner Machtkampf, in dessen Folge zahlreiche brisante Dokumente an die Öffentlichkeit gelangten.
Nun kann die Kurie zumindest einen Etappensieg im Kampf um mehr Transparenz vermelden. Vatikan und IOR haben eine Überprüfung auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung bestanden. Laut Experten des Europarats erfüllt der Vatikan die internationalen Standards in neun von 16 Punkten ganz oder weitgehend. In seinem am Mittwoch veröffentlichten ersten Bericht über den Heiligen Stuhl schreibt das sogenannte "Moneyval"-Gremium des Europarats, der Vatikan habe in kurzer Zeit vieles geleistet, um den internationalen Konventionen zu genügen.
In sieben weiteren Bereichen wurden jedoch erhebliche Defizite festgestellt. Der Heilige Stuhl müsse sein Aufsichtssystem über die Finanzen verbessern, monierte "Moneyval". Aufgaben und Kompetenzen der zuständigen Behörde seien nicht klar genug definiert, die Kontrolle der Vatikanbank bleibe unzureichend.
Mehrere Mitglieder von Moneyval hatten sich im November 2011 und erneut im März dieses Jahres vor Ort über die Fortschritte des Vatikans informiert. Um die Überprüfung hatte der Vatikan selbst gebeten.
Der Bericht von Moneyval dient der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als Grundlage für die Entscheidung, ob ein Staat auf die sogenannte weiße Liste kommt. Auf dieser stehen Länder, die internationale Standards für Finanztransparenz einhalten.