SPIEGEL ONLINE
04.08.2012
 
Falsche Syrien-Berichte
Hacker manipulieren Reuters-Blog
REUTERS
Auf der Blog-Plattform von Reuters hat jemand gefälschte Einträge über Syrien gepostet. Reportern der Nachrichtenagentur wurde zum Beispiel ein erfundenes Interview mit einem syrischen Rebellenführer untergeschoben. Die syrische Opposition vermutet das Regime hinter dem Angriff.
London - Hacker haben einen Blog der Nachrichtenagentur Reuters angegriffen. "Erfundene Blog-Einträge wurden fälschlicherweise mehreren Reuters-Journalisten zugeschrieben", teilte die Muttergesellschaft Thomson Reuters am Freitagabend mit. In einem der Einträge sei von einem Interview mit dem Chef der Freien Syrischen Armee, Riad al-Asaad, die Rede gewesen. Darin soll dieser gesagt haben, dass sich seine Truppen nach Kämpfen mit den Regierungssoldaten aus dem nordsyrischen Aleppo zurückzögen. "Reuters hat ein solches Interview nicht geführt", erklärte die Nachrichtenagentur.
Das Blog sei gelöscht und der Blog-Bereich auf Reuters.com vorerst abgeschaltet worden. Das Unternehmen gehe der Sache nach, habe zunächst aber keine Informationen, wer hinter dem Angriff stecken könnte.
Die Freie Syrische Armee, der militärische Arm des Widerstands gegen Präsidenten Baschar al-Assad, dementierte ebenfalls, dass das Interview stattgefunden habe. Der Bericht sei "von dem Regime verfasst worden, da es den Anschein hat, dass die Seite der Nachrichtenagentur gehackt wurde", hieß es in der Mitteilung der Freien Syrischen Armee.
In einem anderen gefälschten Text stand offenbar, die Rebellen hätten chemische Waffen von Libyen gekauft, die sie nach Syrien schmuggeln wollten. In Aleppo liefern sich Militär und Aufständische seit rund zwei Wochen heftige Gefechte. Reporter von Reuters berichteten, Kämpfer der Freien Syrischen Armee seien nach wie vor in der Stadt. Die mit 2,5 Millionen Einwohnern größte Stadt des Landes ist die wichtigste Wirtschaftsmetropole. Sie ist für den Nachschub der Armee enorm wichtig.
Sowohl Gegner Assads wie auch dessen Anhänger haben sich wiederholt der Sabotage bedient. So hatten Getreue Assads zum Beispiel ein Blog des Fernsehsenders al-Dschasira geknackt. Im März veröffentlichten Aktivisten Tausende private E-Mails des syrischen Diktators.
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