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06.08.2012
 
ZDF-Traumschiff
"Deutschland"-Reederei erwägt Passagier-Soli
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Ein Bonus für die deutsche Flagge: Zwar ist der Streit um die Ausflaggung der "MS Deutschland" vorerst beigelegt, doch die Probleme bleiben. Nun plant die Reederei des defizitären Schiffs, eine freiwillige Abgabe von ihren Gästen zu erheben.
Hamburg - Die Reederei des ZDF-Traumschiffs erwägt nach dem beigelegten Flaggenstreit, eine freiwillige Abgabe einzuführen. Gäste, die auf der nun weiter unter deutscher Flagge fahrenden "MS Deutschland" reisen, sollen nach Information des SPIEGEL mit dem Aufschlag in Höhe von drei Prozent des Reisepreises ihre Solidarität zeigen. Eine Sprecherin der Reederei Deilmann sagte am Sonntag, dass noch nicht entschieden sei, ob diese Idee umgesetzt werde.
Die derzeit in London liegende "MS Deutschland" ist das einzige Kreuzfahrtschiff, das noch unter deutscher Flagge fährt. Die Reederei wollte das Schiff aus Kostengründen eigentlich künftig unter der Flagge Maltas fahren lassen. Nach einer emotionalen Debatte, in die sich auch Bundespräsident Joachim Gauck einschaltete, verzichtete die Reederei dann aber auf die Ausflaggung. Die "Deutschland" soll nach den Olympischen Spielen die deutschen Sportler nach Hause bringen. Die Ankunft ist für den 15. August in Hamburg geplant.
Die Reederei Deilmann gehört seit ihrer Insolvenz 2010 zum Finanzinvestor Aurelius. Die Reederei befinde sich "noch immer in einer Sanierungsphase", schrieben die Geschäftsführer jüngst in einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck. Aurelius hat nach Information des SPIEGEL zuletzt mehr als 8,5 Millionen Euro Minus für seine MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft verbucht. Allein das Schiff verursachte 2011 einen operativen Verlust von 1,5 Millionen Euro.
Ver.di: "Solidarität kann Renditegier stoppen"
Der Verzicht auf die Ausflaggung stieß auch bei der Gewerkschaft ver.di auf Zustimmung. Nun möchte der Hamburger ver.di-Vorsitzende Wolfgang Abel der Crew der MS "Deutschland" bei der Ankunft in Hamburg eine Medaille überreichen: "Mit dieser Medaille in der Disziplin Solidarität wollen wir das couragierte Verhalten der Crew um ihren Kapitän Andreas Jungblut in besonderer Weise würdigen."
Mit ihrem Einsatz habe die Besatzung entscheidend dazu beigetragen, dass die geplante Ausflaggung vom Tisch genommen wurde. "Dieses mutige und streitbare Engagement werden wir mit der besonderen Medaille Ausflaggungsverhinderer würdigen, denn am Beispiel der MS 'Deutschland' wurde deutlich, dass Solidarität Renditegier stoppen kann", sagte Abel.
Die deutschen Reeder sind Abel zufolge aufgefordert, dem Beispiel der MS "Deutschland" zu folgen und ihre Ausflaggungspolitik zu überprüfen. Ausflaggung höre sich verharmlosend an, sei aber nichts anderes als Lohndumping auf See. Auch bleibt laut Abel die Bundesregierung aufgefordert, "ihre maritime Politik dahingehend zu korrigieren, dass Bundeszuschüsse nur an Reeder gezahlt werden, deren Schiffe unter deutscher Flagge fahren".
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