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10.09.2012
 
Schnüffel-Programme
Großbritannien will Trojaner-Exporte überwachen
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Die britische Regierung will offenbar nicht länger zusehen, wie Überwachungstechnik an fragwürdige Regime geliefert wird. Der Gamma-Firmengruppe wurden für den Export der Spionagesoftware FinFisher Lizenzauflagen gemacht - ein erster Schritt zu mehr Kontrolle.
London - Die britische Regierung will Exporte von Überwachungssoftware stärker kontrollieren. Das hat ein Rechtsberater der Regierung in einem Brief an die Bürgerrechtsorganisation Privacy International angekündigt wie der "Observer" berichtet. Konkret ist in dem Schreiben von den FinFisher-Programmen der Gamma-Firmengruppe die Rede. Nach Syrien und Iran könne die Software wohl nicht verkauft werden.
Das Treasury Solicitor's Department, eine Behörde, die für britische Regierungsorganisationen Rechtsberatung leistet, erklärte, für den Export in Länder außerhalb der Europäischen Union benötige Gamma eine Lizenz. Dies habe man dem Unternehmen mitgeteilt. Es ist offenbar das erste Mal, dass die britische Regierung den Export von Spionagesoftware einschränkt. Grund dafür ist die eingesetzte Verschlüsselungstechnik. In dem Brief an Privacy International heißt es außerdem, Wirtschaftsminister Vincent Cable denke derzeit über eine internationale oder EU-weite Regelung nach.
Mit FinFisher lassen sich Computer überwachen und fernsteuern. Gamma hat in der Vergangenheit damit geworben, Trojaner über ein gefälschtes iTunes-Update auf zu überwachenden Rechnern einschleusen zu können. Ende 2011 wurde bekannt, dass das deutsche Bundeskriminalamt in mindestens einem Fall Testsoftware des Unternehmens erworben hatte. Der Name der Firma tauchte Anfang 2011 auch auf, als Aktivisten in Ägypten ein Geheimdienstbüro stürmten und Akten auswerteten.
Eine enthielt ein detailliertes Angebot für diverse Anwendungen der Gamma Group, Produkte mit dem Namen FinFisher. Analysten des ägyptischen Geheimdienstes lobten in anderen Dokumenten besonders die Möglichkeit, Skype-Gespräche abzuhören.
Dem "Observer" sagte Gamma-Gründer Martin J. Muench nun, die Spionagesoftware sei der ägyptischen Regierung sechs Monate vor dem Aufstand vorgestellt worden. Gamma habe aber keine Produkte geliefert, die während des Arabischen Frühlings hätten eingesetzt werden können.
Eine Anwaltskanzlei hatte damals für das Unternehmen erklärt, Gamma International UK Limited habe keines der Produkte aus der FinFisher-Suite an die ägyptische Regierung geliefert. Das Unternehmen liefere nur an Regierungen, befolge dabei britisches Recht und alle anderen relevanten Vorschriften. Darüber hinaus könne das Unternehmen keine Auskunft über "vertrauliche Geschäftsbeziehungen und die Art der Produkte, die es anbietet" geben.
 
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