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31.10.2012
 
China
Regierungsberater fordern Ende der Ein-Kind-Politik
AFP
Die Regelung führt zu Zwangsabtreibung und Sterilisation: In China wächst der Widerstand gegen die staatliche Ein-Kind-Politik. Nun fordert auch ein regierungsnahes Expertengremium ein Umdenken. Bis 2015 müssten zwei Kinder erlaubt sein - 2020 solle das Gesetz ganz fallen.
Peking - Eine regierungsnahe Expertenkommission in China hat sich für einen schrittweisen Ausstieg aus der umstrittenen Ein-Kind-Politik ausgesprochen. In einigen Provinzen sollte es Eltern sogar von sofort an erlaubt sein, zwei Kinder zu bekommen, forderte die Entwicklungsforschungsstiftung in einem Bericht.
Landesweit solle dies ab 2015 gelten. Fünf Jahre später sollte die Geburtenbegrenzung komplett aufgehoben werden. Der Bericht der Stiftung soll in Kürze veröffentlicht werden, lag staatlichen Medien aber bereits vorab vor. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Dienstag darüber. "China hat einen hohen politischen und sozialen Preis für die Regelung bezahlt", zitiert die Agentur aus dem Papier.
Die Regierung gab zunächst keine Stellungnahme ab. Ob sie zu einer Umsetzung der Empfehlungen bereit sein könnte, war unklar.
Paaren in städtischen Gebieten ist es nach der aktuell geltenden Regelung nicht erlaubt, mehr als ein Kind zu haben. Auf dem Land dürfen Familien ein zweites Kind bekommen, wenn es sich bei dem Erstgeborenen um ein Mädchen handelt. Außerdem existieren zahlreiche weitere Ausnahmen, etwa bei Familien ethnischer Minderheiten.
Gleichzeitig sind die Strafen bei Verstößen drastisch und reichen von Geldbußen und Jobverlust bis zu Zwangsenteignung. Die Folge sind häufig erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen. Diese sind in China zwar verboten, werden aber trotzdem immer wieder durchgeführt. Erst im Juni hatte ein Foto einer chinesischen Frau mit ihrem getöteten Fötus international Entsetzen ausgelöst.
Die drastischen Konsequenzen von Chinas Ein-Kind-Politik sorgen im Land seit langem für Aufruhr in der Bevölkerung. Insbesondere die sich entwickelnde breite Schicht der Wohlhabenden ist der Ansicht, die Regierung habe kein Recht, ihnen vorzuschreiben, wie viele Kinder sie bekommen können.
Die Regierung in Peking hält dem entgegen, dass die Ein-Kind-Politik bereits 400 Millionen Geburten in dem mit 1,3 Milliarden Bewohnern bevölkerungsreichsten Land der Welt verhindert habe.
 
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