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19.11.2012
 
Immobiliengesellschaft
Bund verkauft mehr als 11.000 Wohnungen
DPA
Der Bund hat seine Immobiliengesellschaft TLG Wohnen für mehr als 470 Millionen Euro an einen Investor verkauft. Die 11.350 Wohnungen werden von einer Hamburger Firma übernommen. Die Mieter sollen mit einer Sozialcharta vor Kündigungen und Luxussanierungen geschützt werden.
Berlin/Hamburg - Der Bund verkauft erneut eine staatliche Immobiliengesellschaft: Die TLG Wohnen mit 11.350 Wohnungen vor allem in Berlin, Dresden und Rostock wird an die Hamburger TAG Immobilien AG verkauft. Der Kaufpreis betrage 471 Millionen Euro, teilte TAG Immobilien am Montag mit. Darin seien Verbindlichkeiten in Höhe von rund 256 Millionen Euro enthalten. Zur Finanzierung des Barkaufpreises von rund 218 Millionen Euro werde eine Kapitalerhöhung über bis zu 30 Millionen neue Aktien durchgeführt, teilte der Konzern mit. Vollzogen werden soll die Übernahme in den nächsten Wochen.
Für die auf Ostdeutschland spezialisierte frühere Treuhand-Tochter hatten mehrere Immobilien- und Finanzinvestoren geboten, die vor allem an den Wohnungen mit einer Mietfläche von etwa 697.000 Quadratmetern interessiert sind. Die derzeitige Jahres-Miete liegt bei rund 42,4 Millionen Euro, der Leerstand beträgt 4,7 Prozent. Die Mieten in Deutschland gelten im internationalen Vergleich als günstig. Neben finanzstarken Geldgebern hatte sich auch die Linkspartei über eine Genossenschaft an dem Bieterwettbewerb beteiligt.
Zum Schutz der Mieter ist dem Bundesfinanzministerium zufolge eine umfassende Sozialcharta zwischen Bund und Käufer abgeschlossen worden, die "deutlich über die geltenden Mieterschutzvorschriften" hinausgehe. Die Charta sehe vor, dass alle bestehenden Mietverträge unverändert übernommen werden. Mieter erhalten fünf Jahre Schutz vor Kündigungen wegen Eigenbedarfs sowie zehn Jahre Schutz vor Mieterhöhungen wegen Luxussanierung. Ältere und schwerbehinderte Mieter erhalten ein lebenslanges Wohnrecht.
Die TLG war 1991 als Treuhand Liegenschaftsgesellschaft gegründet worden, um nicht-betriebsnotwendige Grundstücke von DDR-Betrieben zu vermarkten. Zum Portfolio gehören neben den Wohnungen auch Büro- und Gewerbeimmobilien. Der deutsche Wohnimmobilienmarkt weckt zunehmend das Interesse ausländischer Anleger.
Kurs der TAG-Aktie sinkt
Nach Abschluss des Kaufs verfüge die Hamburger Firma TAG über rund 69.000 Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 4,17 Millionen Quadratmetern und eine Bilanzsumme von über 3,6 Milliarden Euro. Die Jahresnettokaltmiete betrage dann 254 Millionen Euro. Die Aktien von TAG Immobilien fielen nachdem der Kauf bekanntgegeben wurde um 2,4 Prozent.
Auch die Gewerbeeinheiten der TLG sollen verkauft werden, offenbar noch vor Jahresende. Die Verhandlungen befinden sich nach Angaben des Bundesfinanzministeriums "in der finalen Phase". Den Zuschlag für die TLG Immobilien GmbH mit rund 1150 Gewerbeimmobilien werde es voraussichtlich in den kommenden Wochen geben, teilte das Ministerium am Montag mit und bestätigte damit Informationen aus Regierungs- und Finanzkreisen.
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