Maroder Immobilienmarkt
Spanien will Hauskäufer mit Bleiberecht locken
Suche solvente Hauskäufer, biete Aufenthaltsrecht - diesen Deal will die spanische Regierung Ausländern vorschlagen, die für mindestens 160.000 Euro eine Immobilie erwerben. Der Bausektor des Landes steckt tief in der Misere, mehr als 700.000 Objekte finden derzeit keinen Käufer.
Madrid - Spanien plant einen neuen Ansatz zur Bekämpfung der immensen Misere auf dem Immobilienmarkt: Ausländer, die ein Haus oder eine Wohnung im Wert von mindestens 160.000 Euro kaufen, sollen im Gegenzug ein permanentes Aufenthaltsrecht erhalten, wie der Staatssekretär im Handelsministerium, Javier Garciá-Legaz, mitteilte. Die Offerte wäre für Investoren aus dem Nicht-EU-Ausland interessiert, insbesondere Russen und Chinesen will die Regierung demzufolge anlocken.
Der spanische Häusermarkt ist dringend auf neue Käufer angewiesen. Derzeit stehen in Folge der 2008 geplatzten Immobilienblase mehr als 700.000 Immobilien zum Verkauf. Die Preise sind seitdem um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Dennoch stagniert die Nachfrage aus dem Inland bestenfalls, Spanien steckt mitten in einer schmerzhaften Rezession.
Mit am stärksten betroffen ist die Baubranche. Sie könnte von einer Belebung des Immobilienmarkts profitieren, sagte Regierungschef Mariano Rajoy. Ihm zufolge ist das Vorhaben noch nicht endgültig ausgearbeitet, er betonte aber die Notwendigkeit, die Zahl der unverkauften Immobilien zu reduzieren. Beobachter erwarten, dass die Regierung den Plan in den kommenden Wochen billigen wird.
Ähnliche Regelungen in Irland, Portugal und Lettland
Auch den angeschlagenen Banken des Landes käme die geplante Regelung zugute. Viele Spanier können die Kredite, die sie für den Bau ihrer Häuser aufgenommen haben, nicht mehr bezahlen: Der spanischen Zentralbank zufolge waren im September 10,7 Prozent der von spanischen Banken vergebenen Kredite - vorrangig Immobilienkredite - als hochriskant einzustufen. Die Banken bleiben demnach auf Darlehen in Höhe von insgesamt 182,2 Milliarden Euro sitzen.
Mittlerweile lasten aber nicht nur die faulen Kredite auf den Banken, sondern auch auf Tausende Immobilien, deren Vorbesitzer zahlungsunfähig geworden sind und auf die Straße gesetzt wurden. Erst in der vergangenen Woche hatte die Regierung per Verordnung diese Zwangsräumungen für zwei Jahre ausgesetzt, wenn sich die Bewohner in einer extremen Notlage befinden. Das belastet wiederum die Banken.
Ähnliche Regelungen, wie Spanien sie jetzt plant, sind in anderen Ländern Europas längst Realitat: In Irland erhalten Hauskäufer aus dem Ausland allerdings erst ab einer Kaufsumme von 400.000 Euro ein Bleiberecht, in Portugal müssen sie sogar mindestens 500.000 Euro investieren. In Lettland hingegen reichen bereits 70.000 Euro, um sich eine Immobilie auf dem Land zu kaufen und gleichzeitig eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen; in der Hauptstadt Riga müssen es hingegen 140.000 Euro sein.
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