SPIEGEL ONLINE
25.11.2012
 
Mietpreisexplosion
Jeder vierte Mieter sucht billigere Wohnung
Getty Images
Nicht nur Geringverdiener - auch die Mittelschicht leidet unter den steigenden Mieten in Deutschland: Nach SPIEGEL-Informationen sucht fast jeder vierte Mieter nach preiswerterem Wohnraum. Doch es fehlen auch rund 70.000 Studentenwohnungen.
Hamburg - Die steigenden Mieten in Deutschland bringen viele Bürger an die Grenze der Belastungsfähigkeit. Jeder vierte Mieter (24 Prozent) will die Konsequenz ziehen und nach einer billigeren Wohnung suchen. Fast die Hälfte (45 Prozent) plant zudem, beim Energieverbrauch und bei den Konsumausgaben zu sparen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Wüstenrot Immobilien GmbH.
Unter den befragten Mietern, die eine günstigere Wohnung suchen wollen, sind nicht nur Geringverdiener, sondern besonders viele Haushalte aus der Mittelschicht: Zwei Drittel verfügen über ein Nettoeinkommen zwischen 1500 und 2500 Euro. Im Schnitt geben Mieter in Deutschland 37 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen aus. Geringverdiener, die weniger als 1000 Euro zur Verfügung haben, wenden 43 Prozent auf.
Erst Mitte November ergab ein bundesweiter Mietspiegelvergleich der Firma F+B, dass die Bestandsmieten 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent gestiegen sind. Damit lag der Anstieg leicht über dem des Vorjahres. In München zahlen die Bewohner mit durchschnittlich 9,74 Euro pro Quadratmeter den teuersten Mietpreis. In Schwerin werden durchschnittlich 5,44 Euro verlangt.
70.000 Studentenwohnungen fehlen
Doch auch Studenten leiden unter den steigenden Mieten. Nach Angaben von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) fehlen in Deutschland rund 70.000 Studentenwohnungen. "Es kann nicht sein, dass wir in den Stadtzentren nur noch aufpolierte Luxusapartments sehen und preiswerter Wohnraum immer mehr verschwindet", sagte Ramsauer dem SPIEGEL.
"Mich wundert manchmal, dass die Studenten sich das Geschäftsgebaren mancher Vermieter oder Makler bieten lassen", sagte der CSU-Politiker. Am Dienstag will sich Ramsauer mit Vertretern von Studentenwerken und der Immobilienwirtschaft treffen, um über das Problem zu beraten. Ramsauer erhob gegen einzelne Bundesländer wie Berlin schwere Vorwürfe, weil sie den Bau von günstigem Wohnraum nicht zügig genug vorantrieben und das Geld, das der Bund für die soziale Wohnraumförderung ausgibt, nicht nutzten.
"Es gibt Länder, die kaum oder gar kein Geld in den sozialen Wohnungsbau stecken, Bundesgelder also nur wenig oder gar nicht abrufen. Bremen etwa, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin", sagte Ramsauer. Der Bundesbauminister will die Länder deswegen zur Rede stellen. "Bei meinem Gespräch am Dienstag will ich wissen, warum das so ist."
 
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