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17.12.2012
 
Euro-Krise
Deutsche Industrie trotzt schwacher Konjunktur
DPA
Unternehmen in Deutschland bekommen die Euro-Krise zu spüren, doch die Zahl der Beschäftigten in der Industrie sinkt nur leicht - und liegt immer noch über dem Wert des vergangenen Jahres. Auch für 2013 rechnen Beobachter nicht mit einem massiven Konjunktureinbruch.

Wiesbaden - Die Euro-Krise wirkt sich immer stärker auf die deutsche Wirtschaft aus. Die Industrieproduktion musste im Oktober den stärksten Rückschlag seit der Finanzkrise 2009 verkraften. Die Unternehmen haben deshalb auch zum ersten Mal in diesem Jahr Arbeitsplätze gestrichen. Die gute Nachricht: Die Firmen stehen immer noch deutlich besser da als im vergangenen Jahr - und die Aussichten sind verhalten positiv.
Im Oktober sank die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum September zwar um 7745 oder 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit verharrt die Beschäftigtenzahl aber immer noch nahe dem im September erreichten Vier-Jahres-Hoch von knapp 5,3 Millionen. Das zeigt: Trotz der schwachen Auftragsentwicklung in den vergangenen Monaten hat die Flaute kaum Auswirkung auf die Beschäftigung.
Im Vergleich zum Oktober 2011 hat die Industrie in diesem Jahr 90.000 Beschäftigte oder 1,7 Prozent mehr. Besonders stark stieg die Beschäftigtenzahl auf Jahressicht demnach im Maschinenbau mit einem Plus von 3,5 Prozent. Gute Zuwächse hatten den Angaben zufolge auch Autoproduzenten und die Hersteller von Metallerzeugnissen mit je 2,6 Prozent.
Ein Grund dafür ist Experten zufolge, dass sich die Unternehmen in der Regel zuerst von Zeitarbeitern trennen. Diese werden in der Statistik aber nicht erfasst. Die Zahl der im Oktober geleisteten Arbeitsstunden nahm um 6,6 Prozent auf 706 Millionen zu. Allerdings zählte der Oktober diesmal zwei Tage mehr. Die Löhne lagen bei rund 19 Milliarden Euro - ein Plus von 5,4 Prozent zum Vorjahresmonat.
Arbeitgeberpräsident Hundt rechnet 2013 mit Wachstum
Die Aussichten für das kommende Jahr hellen sich nach Ansicht einiger Beobachter auf. Das Gewerkschaftsnahe IMK-Institut hat seine Wachstumsprognose verdoppelt. Die Düsseldorfer Forscher trauen der Wirtschaft nun ein Anziehen um 0,8 Prozent zu und begründen dies mit besseren Geschäftsaussichten für die heimischen Exporteure. Zudem dürfte die US-Wirtschaft wieder zulegen. "Wir gehen in unserer Prognose davon aus, dass sich die ökonomische Lage weder in den USA noch in Europa im kommenden Jahr deutlich verschlechtert", sagte IMK-Direktor Gustav Horn am Montag in Berlin.
Positive Signale kamen auch von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Er rechne für das kommende Jahr mit einer wachsenden Wirtschaft und steigenden Löhnen, sagte Hundt der "Rheinischen Post". "Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland keine Rezession erleben werden", sagte Hundt. Die gute Lohnentwicklung der Jahre 2011 und 2012 werde sich im kommenden Jahr fortsetzen. "Wenn es den Unternehmen gut geht, sollen davon auch die Mitarbeiter profitieren", fügte er hinzu.
Hundt regte aber an, im Fall einer sich abschwächenden wirtschaftlichen Entwicklung die Kurzarbeiterregelung auf die Zeitarbeitsbranche auszuweiten. "Es geht um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die Staatsschuldenkrise birgt immer noch schwer vorhersehbare Risiken", sagte der Arbeitgeberpräsident. Hundt nahm damit einen Vorschlag des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, auf.
Mit Kurzarbeit können Unternehmen auf einen konjunkturell bedingten Auftragseinbruch reagieren, ohne gleich Mitarbeiter zu entlassen. Dafür wird vorübergehend die betriebliche Arbeitszeit gekürzt. Das Kurzarbeitergeld wird von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt. Sie erstattet 60 Prozent des ausgefallenen Nettoeinkommens, bei Kindern im Haushalt 67 Prozent. Wegen der unklaren konjunkturellen Entwicklung stellt die Bundesagentur für Arbeit 2013 mehr Geld für Kurzarbeit bereit.
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