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17.12.2012
 
Euro-Krise
Griechen und Spanier kaufen massenhaft deutsche Immobilien
dapd
Reiche Südeuropäer fürchten um ihre Ersparnisse - und finden in Deutschland vermeintlich sichere Anlagemöglichkeiten. Sie kaufen im großen Stil Immobilien in Großstädten, viele zahlen bar. Vor allem in Berlin machen Makler glänzende Geschäfte.
Hamburg - "Griechen kaufen nur von privat", steht über einer Anzeige, die ein Makler aus Ahrensburg bei Hamburg seit längerem in Lokalzeitungen schalten lässt. Eine "zügige, diskrete Abwicklung" sei garantiert, gesucht würden Grundstücke, Häuser und Wohnungen als Kapitalanlage. Die sei auch dann interessant, heißt es in anderen Anzeigen, wenn Anleger ihr Geld vor "Gauck'lern, Merkel, Schäuble und weiteren Mafiosi retten wollen".
Der Tonfall mag platt sein, doch er zeigt: Deutsche Makler machen derzeit glänzende Geschäfte. Aus Sorge, in der Euro-Krise ihr Vermögen zu verlieren, investieren nicht nur Deutsche verstärkt in Immobilien. Auch Südeuropäer kaufen in großem Stil das vermeintlich sichere Betongold.
Besonders deutlich zeigt sich das in Berlin. Immobilien in der Hauptstadt sind schon länger gefragt. Doch seit Beginn der Krise drängen noch mehr ausländische Investoren auf den Markt, viele aus dem angeschlagenen Spanien und dem kriselnden Italien.
Gut ein Drittel der Käufer komme aus dem Ausland, berichtet der Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Accentro, Jacopo Mingazzini. Fast alle zahlten - anders als deutsche Interessenten - in bar. Das Unternehmen Tetzlaff-Immobilien hat ebenfalls viele Kunden aus Spanien, zu Engel Völkers kommen Griechen und Italiener. Auch das Internetportal Immobilienscout24 zählte einen deutlichen Anstieg von Kaufgesuchen aus Griechenland.
Die wachsende Nachfrage macht sich bemerkbar. "Da kommen Käufer aus Polen und legen die Kaufsumme einfach bar auf den Tisch", berichtet ein genervter Interessent. Die Konkurrenz aus dem Ausland sei gerade in den Szenevierteln Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg stark. "Und Makler konfrontieren einen nicht selten mit Sprüchen wie 'Stellen Sie sich nicht so an, andere fragen auch nicht so viel nach'." Manche nähmen die Objekte sogar ungesehen.
"Wir sind international neben der Schweiz oft der letzte Rettungsanker", begründet der Analyst Thomas Beyerle vom Immobilienverband IVG das Interesse für Deutschland. Griechen und Spanier wollten ihr Geld in Sicherheit bringen. "Sie kaufen sich das Versprechen von Stabilität und sind dafür oft bereit, höhere Preise zu akzeptieren."
Druck auf die Mieten
Das treibt nicht nur für deutsche Immobilienkäufer den Preis kräftig in die Höhe. "Mittelfristig wird es auch den Mieten nicht guttun", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund voraus. Vor allem in Berlin ziehen diese bereits kräftig an - für neue Verträge in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Fünftel.
Spürbar ist der Einfluss ausländischer Investoren laut IVG-Analyst Beyerle nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, München und Frankfurt. Anders als beim letzten Immobilienboom 2004 interessierten sie sich weniger für idyllische Häuschen auf dem Land. In der Großstadt seien sich Käufer einfach sicherer, ihre Wohnungen später zu guten Preisen wieder loszuwerden.
Die größte Anziehungskraft hat Berlin nicht nur wegen des Hauptstadtflairs. "Berlin ist im europäischen und auch innerdeutschen Vergleich weiterhin sehr günstig", erläutert Mingazzini. Trotz zuletzt deutlich anziehender Preise finde man hier auch in guten Lagen immer noch Wohnungen zum Quadratmeterpreis von 1400 bis 1500 Euro. "Das ist in Metropolen wie Paris, Bologna oder Mailand undenkbar."
Hinzu komme das extrem gute Image der Stadt: Berlin ist im Ausland angesagt, die Übernachtungszahlen steigen kontinuierlich. Investoren könnten wegen der vergleichsweise günstigen Preise weiterhin mit vernünftigen Renditen rechnen. "Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn der Zuzug nach Berlin hält an", betont Mingazzini.
Der hohe Anteil an Single-Haushalten fördere zudem die Nachfrage nach Mietwohnungen enorm, sagt Einar Skjerven von der Skjerven Group. "Wer in Berlin kauft, kauft Wohnungen mit viel Potential zur Wertsteigerung." In München oder Hamburg gebe es solche Entwicklungschancen nicht.
Dabei geht es oft nicht einmal um Luxus-Lofts mit Dachgarten, nicht nur um den Prenzlauer Berg, sondern auch um die Mittelklassewohnung im alten Westen. Nicht nur reiche Griechen kaufen in Berlin, berichten die Makler, sondern auch viele Familienväter, die ihren studierenden Kindern in der Boom-Stadt eine Wohnung sichern wollen.
 
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