SPIEGEL ONLINE
19.12.2012
 
Präsident in Afghanistan
Gauck fordert mehr Anerkennung für Bundeswehr
DPA
Er sieht "zählbare Erfolge" in Afghanistan und verlangt mehr Wertschätzung für den dortigen Bundeswehr-Einsatz: Am letzten Tag seines Besuchs am Hindukusch hat sich Bundespräsident Joachim Gauck demonstrativ zur deutschen Armee bekannt. Kritik dafür kommt von der Linkspartei.
Berlin/Kabul - Bundespräsident Joachim Gauck hat zum Abschluss seines Besuchs in Afghanistan die Erfolge der Bundeswehr hervorgehoben. Soldaten leisteten Dienst am Gemeinwesen. "Diese Leistung müssen wir würdigen", sagte Gauck am Mittwoch im deutschen Hauptquartier bei Masar-i-Scharif. Bei seinem dreitägigen Besuch in Afghanistan habe er den "ganzen Ernst der Hausforderung eines militärischen Einsatzes gespürt".
In Afghanistan habe das deutsche und internationale Engagement auch sichtbare zivile Erfolge gebracht, sagte Gauck. So gingen achtmal so viele Kinder zur Schule wie noch 2001 vor Beginn des Einsatzes. Die Kindersterblichkeit sei gesunken, die Infrastruktur erheblich verbessert worden. "Das sind zählbare Erfolge, die durch Sicherheit begünstigt sind", erklärte der Bundespräsident. Dafür sei auch der Kontakt der Soldaten und zivilen Helfer zur Bevölkerung wichtig: "Kommunikation schafft auch Sicherheit."
Auch nach dem Abzug der internationalen Truppen werde dieses Aufbauwerk nicht preisgegeben. "Wir werden Afghanistan nicht verlassen. Wir werden weiter solidarisch bleiben", betonte Gauck mit Blick auf den Truppenabzug ab 2014. Die Afghanen müssten nun zeigen, wie viel Selbstverantwortung möglich sei. Schon jetzt leisteten sie 80 Prozent der Sicherheitsaufgaben. "Es gibt also durchaus begründete Hoffnung", sagte der Bundespräsident.
Am Montag waren Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt überraschend nach Afghanistan gekommen. Während seines Besuchs hatte Gauck mehrfach betont, man sei zwar noch nicht am Ziel angelangt, könne aber durchaus von Erfolgen sprechen. Am Mittwochabend wurden beide in Deutschland zurückerwartet.
Gauck gedenkt der getöteten Bundeswehr-Soldaten
Auch am letzten Tag seines Aufenthalts standen für das Staatsoberhaupt im größten deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif Gespräche mit Bundeswehrsoldaten im Vordergrund. Im Camp Marmal traf der Bundespräsident vor seiner Abreise zudem deutsche Entwicklungshelfer und kam mit US-Soldaten zusammen. Am Morgen hatte Gauck gemeinsam mit Generalinspekteur Volker Wieker der 52 in Afghanistan ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten gedacht. Im Ehrenhain von Masar-i-Scharif entzündete das Staatsoberhaupt am Gedenkstein ein Grablicht und hielt betend inne.
Schlechtes Wetter wirbelte das Reiseprogramm des Bundespräsidenten auch am letzten Tag durcheinander. Wegen Nebel konnte er nicht wie geplant per Hubschrauber zum befestigten Außenposten OP North fliegen, um dort die Unterkünfte der Bundeswehr und eine Rettungsstation zu besichtigen. Gauck bedauerte die Absage sehr. "Ich wollte eigentlich bei den Soldaten sein, die draußen auf dem Gefechtsfeld agieren müssen."
Harsche Kritik kam von der Linkspartei. "Statt in Afghanistan für eine sofortige Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen zu werben, propagiert Bundespräsident Gauck eine Fortsetzung des Krieges", sagte Linke-Außenexperte Wolfgang Gehrcke und fügte hinzu: "Zu Guttenberg als Verteidigungsminister verband seinen Weihnachtsbesuch mit einer Fernsehshow, Gauck hält in Afghanistan Predigten."
 
Zum Thema:
 Gauck in Kabul: "Wir lassen Afghanistan nicht im Stich"
 Truppenbesuch: Gauck trifft zu Überraschungsbesuch in Afghanistan ein
» MEHR POLITIK
» ZURÜCK ZUR HOMEPAGE
» ARTIKEL VERSENDEN
 
SUCHE IN SPIEGEL MOBIL
Politik | Wirtschaft | Börse | Panorama | Sport | Kultur | Wissenschaft | Gesundheit | Netzwelt | Uni | KarriereSPIEGEL | Schule | Reise | Auto | Wetter | Ticker | Fotostrecken | Video | English Site | manager-magazin.de
» Zum mobilen RSS
» NACH OBEN
© SPIEGEL ONLINE
Impressum Alle Rechte vorbehalten