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28.12.2012
 
Militärdemonstration
Iran startet Seemanöver in der Straße von Hormus
FOTOSTRECKE
Mit Kriegsschiffen, U-Booten und Kampfflugzeugen demonstriert Iran militärische Stärke in der Straße von Hormus. Bei der Übung in der wichtigen Meerenge würden die "neusten Waffen" gezeigt, brüstet sich der Marinechef des Landes. Das Manöver könnte die Spannungen mit den USA verschärfen.
Teheran - Sechs Tage soll die Übung des iranischen Militärs dauern. Mit Kriegsschiffen, Luftkissenbooten, U-Booten und Kampfflugzeugen trainieren Soldaten seit Freitag in der wichtigen Straße von Hormus, meldet das iranische Staatsfernsehen.
Schiffe wurden aufgefordert, das Gebiet bis zum 3. Januar zu meiden. Das Manöver erstreckt sich dem Bericht zufolge über eine Fläche von 400.000 Quadratkilometern, von der Straße von Hormus bis zum Indischen Ozean.
"In dieser Übung werden wir die neuesten Waffen der Marine einsetzen", brüstete sich der Chef der iranischen Marine, Habibollah Sayyari, gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Mit dem Manöver demonstrieren die iranischen Streitkräfte ihre Fähigkeiten.
Die Übung kommt zu einem Zeitpunkt, da sich der Konflikt mit dem Westen um das iranische Atomprogramm zuspitzt. Die Sanktionen des Westens gegen das Atomprogramm treffen Teheran empfindlich, der Ton wird immer schärfer. Mitte des Jahres drohte die iranische Führung damit, die Straße von Hormus zu blockieren. Die USA verstärkten seither ihre Militärpräsenz in der Region.
Die Straße von Hormus ist eine strategisch bedeutende Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch die nur 50 Kilometer breite Wasserstraße laufen rund 35 Prozent des per Schiff abgewickelten Ölhandels weltweit. Zahlreiche Golfstaaten sind vom Ölexport über diese Meerenge abhängig.
Die zentrale Drohung der Iraner war, die Straße von Hormus durch Seeminen zu sperren, sollten die USA oder Israel Atomanlagen des Landes angreifen. Die Frage ist, ob das durch Sanktionen geschwächte iranische Militär zu einer solchen Blockade überhaupt in der Lage ist.
"Gigantische Fortschritte"
Die Militärpräsenz Washingtons in der Region ist gewaltig. In Bahrain ist Washingtons Fünfte Flotte stationiert, die aus mehr als 20 Schiffen besteht, darunter ein Flugzeugträger der "Nimitz"-Klasse mit Begleitschiffen sowie verschiedene Zerstörer, Kreuzer und U-Boote. In Katar sitzt das regionale US Central Command mit seiner Luftwaffenbasis, von der aus in wenigen Minuten Luftunterstützung unterwegs sein könnte.
Die iranische Marine rüstet ihrerseits auf - mit U-Booten, Luftkissenbooten, einer neuen Fregatte. Im Vergleich zur US-Flotte ist das Aufgebot bescheiden. Doch Teheran präsentiert sich selbstbewusst. Verteidigungsminister Ahmed Wahidi sprach von "gigantischen Fortschritten" bei der Entwicklung der Seestreitkräfte. Diese will die iranische Führung bei seinem Manöver nun offenbar zeigen.
Will Teheran eine Umweltkatastrophe auslösen?
Im Oktober fiel ein weiterer - mit "Top Secret" gekennzeichneter - Plan westlichen Geheimdiensten in die Hände: Unter dem Code-Namen "Trübe Wasser" soll General Mohammed Ali Dschaafari, der Kommandeur der iranischen Revolutionswächter, einen aberwitzigen Sabotageakt vorgeschlagen haben - eine absichtlich herbeigeführte Umweltkatastrophe in der Straße von Hormus. Ziel: den Schiffsweg durch die Kontamination für die internationalen Öltanker vorübergehend zu sperren; die gegenüber Iran feindlich gesinnten arabischen Staaten zu "bestrafen" und den Westen zu zwingen, sich an einer großangelegten Säuberung der Gewässer zu beteiligen - und dafür womöglich auch die Sanktionen gegen Teheran auszusetzen.
Seit dem 1. Juli sind sämtliche Öl- und Kraftstoffeinfuhren aus Iran in die EU untersagt, denn der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel ziviler Forschung heimlich an Atomwaffen zu arbeiten, was die iranische Führung bestreitet. Das Ölembargo und weitere Sanktionen zeigen Wirkung, Teheran kann sein Öl kaum mehr verkaufen. Westliche Geheimdienstler vermuten daher, der Sabotageplan sei Ausdruck zunehmender Frustration.
Dabei hängen Irans Staatseinnahmen zu mehr als 50 Prozent von Erdölexporten ab; von Juli 2011 bis Juli 2012 sind die Ausfuhren von rund 2,4 Millionen Barrel auf knapp eine Million Barrel zurückgegangen. Die Produktion hingegen drosselten die Iraner nur um weniger als ein Viertel, denn Bohrlöcher vorübergehend zu schließen gilt als technisch aufwendig.
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