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20.01.2013
 
Terrorgruppe Ansar al-Din
Islamistenführer in Mali war Helfer der Bundesregierung
REUTERS
Iyad Ag Ghali befehligt 1500 islamistische Kämpfer in Mali - dabei galt er lange als verlässlicher Partner der Bundesregierung. 2003 verhandelte er auf deren Bitte mit algerischen Geiselnehmern. Ein ehemaliger deutscher Spitzenbeamter sagte dem SPIEGEL, Ag Ghali sei "unser Mann" gewesen.
Der Anführer der wichtigsten islamistischen Terrorgruppe in Mali ist ein alter Bekannter der deutschen Bundesregierung und galt in Berlin lange Zeit als verlässlicher Gesprächspartner. Iyad Ag Ghali, der heute die radikalislamistischen Kämpfer der Gruppe Ansar al-Din anführt und wichtigster Kommandeur der Terrorgruppen in Mali ist, hat 2003 auf Bitten der Bundesregierung Verhandlungen mit algerischen Geiselnehmern geführt.
Die Islamisten hatten im Februar und März 2003 europäische Touristen entführt. Nach monatelangen Verhandlungen erreichte Ag Ghali einen Deal, der 14 Touristen, darunter 9 Deutschen, die Freiheit brachte. Im Gegenzug flog der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, an Bord einer Bundeswehr-Challenger mit einem Lösegeld von fünf Millionen Euro nach Bamako. Ag Ghali übernahm die Übergabe des Geldes an die Entführer, die zur algerischen Gruppe GSPC gehörten.
Ein ehemaliger Spitzenbeamter der deutschen Regierung sagte dem SPIEGEL, Ag Ghali sei "unser Mann" gewesen. Nach Erkenntnissen des BND ist die von Ag Ghali geleitete Ansar al-Din heute mit rund 1500 Kämpfern die größte Gruppe islamistischer Aufständischer in Mali. Bis vor kurzem hatte die Regierung in Bamako gehofft, sie könnte über Ag Ghali Verhandlungen mit den Islamisten führen, die Gespräche wurden allerdings nach dem Vorstoß der Aufständischen in den Süden Malis abgebrochen.
Nach Erkenntnissen des BND hat es sich um Scheinverhandlungen gehandelt; der Rebellenanführer habe sich damit gebrüstet, die Verhandlungen nur geführt zu haben, um Zeit für die militärische Offensive zu gewinnen.
Unterdessen forderte der derzeitige Vorsitzende der Ecowas und Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, bei einem Besuch in Berlin einen größeren deutschen Beitrag in der Mali-Krise: "Deutschland muss sich mehr engagieren. Ich meine, auch mit Truppen", sagte er dem SPIEGEL.
Ängste, Mali könne zu einem zweiten Afghanistan werden, möchte er zerstreuen: "Ich sehe keine Parallelen." Der radikale Islam habe in Mali keinen Rückhalt in der Bevölkerung. "Es gibt nur wenige Terroristen in Mali. Die meisten sind Ausländer." Auch gebe es kein Land in der Umgebung, das - wie Pakistan die afghanischen Taliban - die Fanatiker heimlich unterstütze.
Auch nach der Überzeugung des früheren Generalinspekteurs der Bundeswehr, Harald Kujat, wird sich die Bundeswehr mit Kampftruppen an dem Einsatz in Mali beteiligen müssen. Zu "Bild am Sonntag" sagte der General a.D.: "Die Franzosen sind in Europa unsere engsten Verbündeten. Sollten sie um Hilfe aus Deutschland bitten - das gilt auch für Kampftruppen - könnten wir ihnen diese nicht verwehren."
Westerwelle verspricht weitere Hilfe
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat Mali im Kampf gegen den islamistischen Terror weitere Hilfe zugesagt. In einem Gastbeitrag für "Bild am Sonntag" schreibt Westerwelle: "Die afrikanischen Truppensteller brauchen finanzielle Unterstützung. Auf der Geberkonferenz in Addis Abeba Ende des Monats wird Deutschland auch dabei seiner Verantwortung gerecht werden." Es gehe nun darum, "Mali und die Afrikaner zu befähigen, die Terroristen zu besiegen. Deutschland wird dafür Ausbilder schicken und westafrikanische Truppen nach Mali transportieren."
Gleichzeitig warnte Westerwelle vor einem Flächenbrand: "Wir dürfen Afrika nicht im Stich lassen. Sonst werden Afrikas Probleme unsere Probleme." Und weiter: "In Mali sind Hunderttausende auf der Flucht vor der Brutalität islamistischer Terroristen. Dieser Terrorismus ist eine Bedrohung für Afrika, aber auch für Europa. Mali darf deshalb keine Heimstatt des Weltterrorismus werden."
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