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22.01.2013
 
Proteste an US-College
Guttenberg sagt Uni-Rede ab
AP
Neuer Ärger für Karl-Theodor zu Guttenberg: Studenten und Professoren einer US-Universität haben gegen eine Rede des Ex-Verteidigungsministers protestiert. Das CSU-Mitglied sagte den Auftritt ab - "aus persönlichen Gründen".
Hanover - Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist am Dartmouth College in den USA wegen seines Plagiatsskandals in Ungnade gefallen. Studenten und Akademiker der Elite-Universität im Bundesstaat New Hampshire protestierten mit einer Online-Petition dagegen, dass der Politiker eine Rede zum Thema "Transatlantische Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen" halten wollte, wie die Universitätszeitung "The Dartmouth" am Dienstag berichtete. Guttenberg sagte die geplante Ansprache "aus persönlichen Gründen" ab. Über Protestaktionen sei er nicht informiert gewesen, teilte sein Büro mit.
Die Germanistik-Professorin Veronika Fuechtner hatte in wenigen Tagen mehr als 100 Studenten für ihre Protestaktion gewinnen können. Sie sei empört darüber, dass sich Guttenberg für sein Plagiat nie ernsthaft entschuldigt habe, zitierte die Zeitung die Akademikerin. Er gehöre als jemand, der so dreist im Bezug auf seine wissenschaftliche Arbeit gelogen habe, nicht in ein akademisches Umfeld, so Fuechtner. Ein Geschichtsprofessor der Universität sagte, ein solcher Auftritt wäre geradezu zynisch.
Es ist nicht das erste Mal, dass der frühere Verteidigungsminister mit seinen akademischen Vorträgen Protest hervorruft. Erst im November sollte er an der renommierten Elite-Universität Yale über die "Mythen der transatlantischen Beziehungen" referieren - deutsche Doktoranden rebellierten gegen die Rede, die Veranstaltung wurde zur Demütigung für Guttenberg.
Der CSU-Politiker hatte vor zwei Jahren nach einer Plagiatsaffäre alle Ämter niedergelegt und wohnt seitdem in den USA. Derzeit ist Guttenberg als Experte für die renommierte US-Denkfabrik CSIS und als Berater der EU-Kommission für Internetfragen tätig.
Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Guttenberg sei ausgeladen worden. Sein Büro teilte mit, er sei über die Protestaktion nicht informiert gewesen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
 
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