SPIEGEL ONLINE
29.01.2013
 
Ehre für Ekel-TV
Dschungelcamp für Grimme-Preis nominiert
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Ist die Trash-Show wirklich preiswürdig? Das RTL-Format "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" ist für den angesehenen Grimme-Preis nominiert worden. Damit findet sich die Kakerlaken-Sendung in anspruchsvoller Gesellschaft - etwa mit der mehrteiligen ARD-Verfilmung des Tellkamp-Bestsellers "Der Turm".
Hamburg/Düsseldorf - Quotenmäßig ist das Dschungelcamp von RTL längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Rund 8,76 Millionen Zuschauer schalteten zum Staffel-Finale am vergangenen Samstag ein. Doch nun ist sogar der Aufstieg in elitäre Kreise zum Greifen nah: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" ist in der Kategorie Unterhaltung für den Grimme-Preis nominiert worden, den angesehensten Fernsehpreis Deutschlands. Das gab Uwe Kamann, Leiter des Grimme-Instituts in Marl, zusammen mit den Vorsitzenden der Nominierungskommissionen am Vormittag bekannt. "Das Fernsehjahr 2012 bot eine ganze Menge Ansehnliches und Diskussionswürdiges", sagte Kamann.
Weniger Aufreger gab es in den anderen Kategorien des Wettbewerbs. Im Bereich Information und Kultur dominierten wie gewohnt die großen ARD-Anstalten WDR, SWR und NDR mit ihren Dokumentationen (unter anderem "Arbeit Heimat Opel", "Ein deutscher Boxer", "Im fliegenden Sarg"). Zwei Autoren wurden jedoch mit einer Spezial-Nominierung hervorgehoben: Eric Friedler als "bester Dokumentarfilmer des TV-Jahres 2012", unter anderem für seinen Film über das Bandjubiläum der Toten Hosen (NDR), und Bettina Braun für ihre Film-Trilogie "Was lebst du? - Was du willst - Wo stehst du?" (ZDF). Und auch SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Jakob Augstein wurde nominiert - für die Talkshow "Augstein und Blome" auf Phoenix, in der er sich mit dem Leiter des Hauptstadtbüros der "Bild"-Zeitung wöchentlich einen politischen Schlagabtausch liefert.
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In der Kategorie Fiktion konnte sich nur eine einzige Produktion eines Privatsenders durchsetzen: Die Serie "Add a Friend" des Pay-TV-Senders TNT Serie wurde für einen Spezialpreis nominiert. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz ist jedoch erdrückend: So treten Kritiker- und Publikumslieblinge wie "Der Turm" (ARD-Gemeinschaftsproduktion), "Das unsichtbare Mädchen" (ZDF/Arte) oder "Sechzehneichen" (HR) gegeneinander an. Erstaunlich ist in diesem Teil des Wettbewerbs nur, dass relativ wenige Krimis nominiert wurden: Mit dem letzten NDR-"Tatort" mit Mehmet Kurtulus, dem "Polizeiruf 110 - Schuld" (BR) sowie dem BR-"Tatort" "Der tiefe Schlaf" sind diesmal nur drei Filme aus der ARD-Sonntagsschiene im Rennen.
Bunter geht es dagegen in der Kategorie Unterhaltung, dem kleinsten Teil des Wettbewerbs zu, in der auch das RTL-Dschungelcamp nominiert ist. Während in den anderen Kategorien jeweils fünf Preise zu vergeben sind, kann die Jury Unterhaltung nur zwei Auszeichnungen vergeben. Für die stehen 2013 der Vorjahresgewinner "Der Tatortreiniger" (NDR), "Mord mit Aussicht" (WDR) sowie "Götter wie wir" (ZDFkultur) zur Auswahl, aber auch die soeben eingestellte Talkshow "Roche Böhmermann". Dazu gesellen sich die ehemaligen ZDF-Spartenkanal-Kollegen Joko und Klaas (nominiert für "Das Duell um die Welt", ProSieben) sowie Benjamin von Stuckrad-Barre für seinen zu Tele 5 abgewanderten Polit-Talk "Stuckrad-Barre".
Mit dem Grimme-Preis werden laut Eigendefinition des Instituts "Fernsehsendungen und -leistungen ausgezeichnet, die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind". Der Preis ist die wohl prestigereichste Fernsehauszeichnung Deutschlands, steht aber auch im Ruf, die elitärste zu sein.
Für das Fernsehjahr 2012 haben drei Nominierungskommissionen in den Kategorien "Fiktion", "Information Kultur" und "Unterhaltung" insgesamt 57 Produktionen vorausgewählt. Nun entscheiden Jurys, die ebenfalls aus Fernsehkritikern und Publizisten, aus Medienwissenschaftlern und Bildungsfachleuten zusammengestellt sind, wer letztlich einen der Preise gewinnt. Die Sieger werden am 27. März bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet schließlich am 12. April in Marl statt.
 
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