SPIEGEL ONLINE
31.01.2013
 
Rechter Terror
Mord-Anklage gegen Zschäpe zugelassen
Von Birger Menke und Sven Röbel
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Beate Zschäpe muss sich wegen Mittäterschaft bei zehn Morden verantworten: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat das Oberlandesgericht München die Anklage gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin und vier ihrer mutmaßlichen Helfer zugelassen. Der Prozess soll im Frühjahr beginnen.
Hamburg - Das Oberlandesgericht München hat die Anklage gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe und vier ihrer mutmaßlichen Helfer in allen Punkten zugelassen. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE am Donnerstagnachmittag aus Justizkreisen.
Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts München sagte SPIEGEL ONLINE, die Entscheidung des Gerichts sei den Anwälten der Verteidigung noch nicht zugestellt. "Solange dies der Fall ist, äußern wir uns nicht dazu." Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage ebenfalls nicht äußern und verwies an das Oberlandesgericht.
In der fast 500 Seiten starken Anklageschrift, die von Generalbundesanwalt Harald Range persönlich unterschrieben wurde, wird Zschäpe die Beteiligung an den Mord- und Sprengstoffanschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) sowie besonders schwere Brandstiftung, Gründung einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Raub vorgeworfen.
Mit Zschäpe ist der langjährige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben angeklagt, der eine zentrale Rolle bei der Beschaffung der Mordwaffen gespielt haben soll. Außerdem angeklagt wurden Holger G., der die Zelle bis zuletzt mit Ausweispapieren unterstützt haben soll, sowie Carsten S., der gestanden hat, die Mordwaffe der "Ceska"-Serie in den Untergrund geliefert zu haben. Der fünfte Angeklagte ist André E. aus Zwickau; unter anderem soll er konspirative Wohnungen und Wohnmobile organisiert haben, die die Zelle laut Bundesanwaltschaft für Raubüberfälle und einen Sprengstoffanschlag in Köln nutzte.
OLG-Präsident Karl Huber sagte am Donnerstag, er rechne mit dem Beginn des Prozesses Mitte April. Nach seiner Einschätzung könnte das Verfahren bis zu zweieinhalb Jahre dauern.
Mit ihrer Anklage hat sich die Bundesanwaltschaft einen Kraftakt aufgebürdet: Da sie Zschäpe für eine Mittäterin hält, wäre die Angeklagte ebenso verantwortlich für die begangenen Morde wie Mundlos und Böhnhardt, die sie begingen. Die Juristen müssen Zschäpe nun nachweisen, dass sie von den einzelnen Morden wusste.
Zschäpe schweigt bisher. Bei ihrer Vorführung beim Ermittlungsrichter in Karlsruhe hatte sie allerdings gesagt, sie habe sich "nicht gestellt, um nicht auszusagen".
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