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04.02.2013
 
Atommülllager
Behörde will Asse-Wasser ins Meer leiten
DPA
Millionen Liter Salzwasser laufen jährlich in das Atommülllager Asse. Das Bundesamt für Strahlenschutz erwägt, das Wasser in Flüsse und damit ins Meer umzuleiten - Probleme mit Radioaktivität seien nicht zu erwarten.
Hamburg - 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll liegen in der Asse bei Wolfenbüttel. Täglich laufen 12.000 Liter Salzwasser in das Lager, die dem Schutzmantel der Fässer gefährlich werden könnten. Nun überlegt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die Salzlauge in Flüsse und damit ins Meer zu leiten. Politiker in Niedersachsen reagieren skeptisch.
Pausenlos dringt sogenanntes Zutrittswasser, das mit Steinsalz gesättigte Grundwasser, durch Risse und Klüfte in das Bergwerk Asse. Seit 2005 wird das ungefährliche, nicht radioaktiv verseuchte Grundwasser in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Celle gepumpt.
Doch langsam wird es dort eng. Bis spätestens Ende 2016 muss eine neue Lösung her, dann läuft auch der Vertrag mit dem Betreiber aus, dem Düngemittelhersteller K+S. Zudem lässt sich K+S die Entsorgung gut bezahlen. Von 2009 bis 2011 schlugen Gesamtkosten von fast 700.000 Euro zu Buche.
Das BfS überlegt jetzt, die Flüssigkeit in natürliche Gewässer zu leiten: "Eine Möglichkeit wäre die Einleitung des Asse-Wassers in Nord- und Ostsee, gegebenenfalls über Flüsse", erklärt BfS-Sprecher Werner Nording. Das BfS habe dem Umweltministerium schon im Mai 2012 den Vorschlag unterbreitet. In Frage kämen Weser, Jade und Ems.
In diese Flüsse seien 2009 mehr als 52 Milliarden Liter Salzabwässer eingeleitet worden. Im Vergleich dazu seien 3,85 Millionen Liter Asse-Wasser pro Jahr eher wenig. Auch sei das Wasser unbedenklich, wie das BfS betont. "In der Nordsee werden die gleichen Werte gemessen wie bei den Wässern in der Asse, etwa drei Becquerel", sagt Nording. Zum Vergleich: Im Trinkwasser ist ein Wert von 100 Becquerel für die radioaktive Zerfallsrate erlaubt.
"Keine konkreten Pläne"
"Untersuchungen des TÜV haben bestätigt, dass das Zutrittswasser radiologisch unbedenklich ist", betont Nording. "Bevor wir es allerdings in Flüsse und das Meer leiten können, müssen weitere Gutachten und ein Genehmigungsverfahren klären, ob die Lauge andere Umweltprobleme verursachen kann."
Die Idee, die Salzwässer aus der Asse ins Meer zu leiten, kommt von den Asse-Bürgerinitiativen. "Da käme unbelastetes Salzwasser zu Salzwasser", meint Nording. Konkrete Planungen oder Anträge gebe es aber bislang nicht, teilt das BfS in einer Stellungnahme mit.
Die niedersächsische Landespolitik lehnt die Pläne ab; zu groß ist offenbar die Angst vor einer Welle der Empörung. Die Einleitung in Flüsse würde "keine Akzeptanz vor Ort finden", sagt Noch-Umweltminister Stefan Birkner (FDP). Auch der aussichtsreichste Kandidat für den Posten in der neuen rot-grünen Regierung, Stefan Wenzel (Grüne), äußert sich vorsichtig. "Es gibt kurzfristig keine Notwendigkeit zur Suche nach anderen Möglichkeiten."
Stattdessen geben beide Politiker an, ungeachtet der unbedenklichen Messwerte an der unterirdischen Lösung festhalten zu wollen. "Für eine aus ökologischer Sicht schlechtere Einleitung von Salzlösungen in oberflächennahe Gewässer gibt es keine Rechtfertigung", sagt Birkner. Wenzel betont, mittelfristig sehe er Anschlusslösungen vorzugsweise in Bergwerken.
Nicht mit dem ungefährlichen Zutrittswasser zu verwechseln sind radioaktiv kontaminierte Lösungen: Bislang fallen davon 23 bis 25 Liter pro Tag an. Das Bundesamt will mit den Salzlösungen Beton anmischen, um Hohlräume in 800 Metern Tiefe und darunter zu verschließen. Ein Umweltrisiko erwartet das BfS aber auch hier nicht: Die gebundenen Radionuklide würden in einigen Jahrzehnten zerfallen.
 
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