SPIEGEL ONLINE
14.02.2013
 
Massenschlägereien in Duisburg
Verfeindete Rocker gehen aufeinander los
Von Jörg Diehl
dapd
Der Rockerkrieg in Duisburg gewinnt an Schärfe: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen sind Mitglieder der verfeindeten Banden Hells Angels und Satudarah erneut in Massenschlägereien verwickelt gewesen. Nur ein Großaufgebot der Polizei konnte Schlimmeres verhindern.
Duisburg - Es war am Mittwochabend, um kurz nach 21 Uhr, als es vor einer Spielhalle im Duisburger Stadtteil Rheinhausen zu wenig vergnüglichen Szenen kam. Wie aus einer vertraulichen Lagemeldung der Polizei hervorgeht, griffen etwa zehn Hells Angels eine Feier des verfeindeten Rockerclubs Satudarah an. Demnach gingen die Männer mit Reizgas, Baseballkeulen, Messern und sogar Schneeschiebern aufeinander los. Es entbrannte eine wüste Schlägerei zwischen den Gangs, anschließend flohen die Angreifer auf die Autobahn.
Bei einer anschließenden Kontrolle fanden Beamte in einem der beiden Fluchtwagen ein Messer und Schlagwerkzeuge. Am Hintereingang des Satudarah-Vereinsheims stellten Polizisten zudem eine scharfe Schusswaffe sicher. Drei Männer wurden vorübergehend festgenommen. Das offenkundige Vorhaben einiger Rocker, im Verlauf des Abends noch die Hells Angels in Düsseldorf zu attackieren, konnte die Polizei verhindern.
Bereits am Vortag war es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung der Banden an der Friedrich-Ebert-Straße in Duisburg gekommen. Auch dort wurde anschließend eine scharfe Pistole beschlagnahmt, diesen Vorfall hat die Polizei jedoch bislang nicht publik gemacht. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler könnten die Angreifer zu den Krefelder Hells Angels gehören, die im November unter Führung des Deutsch-Iraners Ramin Y., 24, von den Bandidos zur Konkurrenz übergelaufen waren.
Umkämpfte Rockerhochburg
Duisburg gilt nach Berlin als umkämpfteste Rockerhochburg in Deutschland. In dem ebenso großen wie umsatzstarken Rotlichtviertel der Stadt stehen sich die verfeindeten Motorradgangs seit Jahren auf den Füßen, hier erschoss der Hells Angel Timur A. im Oktober 2009 den Bandido "Eschli" Elten. Im Anschluss kam es immer wieder zu brutalen Revierstreitigkeiten und Vergeltungsaktionen.
Verschärft wurde die Situation zuletzt noch dadurch, dass sich weitere Banden formierten. So schloss sich der MC Brotherhood Clown-Town im Frühjahr 2012 schließlich dem berüchtigten Satudarah MC aus den Niederlanden an. Laut nordrhein-westfälischem Innenministerium gehören der Bande etwa 30 Rocker an, einer weiteren Dependance der Gang in Krefeld werden 13 Männer zugerechnet. "Die Mitglieder sind überwiegend keine deutschen Staatsangehörigen", heißt es in einem Bericht des Innenausschusses.
Darüber hinaus wurden in Duisburg auch schon Männer mit Shirts des Rockerclubs Mongols gesichtet, zudem haben sich in der Region das Gremium-Chapter Bosporus West und ein Ableger der vor allem in Baden-Württemberg starken Türstehergang United Tribuns eingerichtet.
Es detonierten schon Handgranaten
Satudarah wiederum ist der größte niederländische Bikerclub und wird laut Polizei immer wieder mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. In Deutschland steht die Gruppierung den Bandidos nahe. "Gemeinsamer Feind sind die Hells Angels", so ein Beamter. "Bei einem Aufeinandertreffen der Rockergruppierung Satudarah und der Hells Angels sind Auseinandersetzungen nicht auszuschließen ", heißt es in einem vertraulichen Vermerk der Beamten. Im vergangenen Jahr detonierten in Duisburg sogar Handgranaten, unter anderem in einem Wettbüro, das den Höllenengeln zugeordnet wird.
Wenig zurückhaltend war auch, was Satudarah-Anführer Ali O. im Sommer 2012 in einem Interview mit dem Szene-Magazin "Bikers News" verkündete. Demnach gehörte keines seiner Mitglieder, bei denen es sich laut O. um "Türken, Kurden, Albaner, Serben und Sinti" handelte, zuvor schon einmal einem Motorradclub an. Auch seien nur ausgesprochen selten Partys anderer Gangs besucht worden. "Die Szene ist nicht unser Ding", so Ali O. "Wir kennen weder die Gebräuche, noch interessieren uns ihre Regeln. Wir sind für uns da."
Inzwischen scheint sich das allerdings geändert zu haben.
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