SPIEGEL ONLINE
10.03.2013
 
US-Unterstützung im Bürgerkrieg
Heimliches Waffentraining für Syriens Rebellen
REUTERS
Die USA haben ihre Hilfe für syrische Rebellen insgeheim verstärkt: Nach SPIEGEL-Informationen schulen Amerikaner die Aufständischen schon seit längerem im Gebrauch moderner Panzerabwehrwaffen - in Jordanien. Ziel ist die Schaffung einer schlagkräftigen Kampftruppe gegen Despot Assad.
Hamburg - Schon seit rund drei Monaten beteiligen sich Amerikaner offenbar insgeheim an der Ausbildung syrischer Rebellen in Jordanien. Wie mehrere Teilnehmer und Organisatoren dieser Trainings dem SPIEGEL berichteten, hätten bereits 200 Männer eine Ausbildung erhalten. Die Kämpfer würden vor allem im Gebrauch moderner Panzerabwehrwaffen geschult, damit sie die Übermacht der syrischen Armeepanzer brechen können.
Damit hat Washington einen Strategiewechsel in seiner Syrien-Politik vollzogen. Politisch unterstützt die US-Regierung die Rebellen in Syrien schon seit geraumer Zeit, direkte Hilfen aus Washington gab es für die Opposition in dem Bürgerkriegsland bislang aber nicht.
Wie der SPIEGEL berichtet, seien einige der amerikanischen Ausbilder uniformiert. Es ist aber unklar, ob sie für private Söldnerfirmen arbeiten oder für staatliche Stellen. Künftig sollen angeblich jeweils 600 Rebellen der "Freien Syrischen Armee" (FSA) in zwei Camps im Osten und im Süden des Landes für je anderthalb Monate ausgebildet werden.
Dafür kooperierten jordanische Geheimdienstler vor allem mit drei syrischen Rebellen-Kommandeuren, die in der Region um Daraa das Sagen hätten. Aus etwa einem Dutzend Einheiten mit insgesamt mehr als 10.000 Kämpfern solle "Tauhid al- Dschanub", die "Einheit des Südens", geformt werden - unter Ausschluss von Islamisten wie der Nusra-Brigade.
Grund für das jordanische Engagement, so einer der Organisatoren, sei vor allem Ammans Angst vor Radikalen: "Die jordanischen Sicherheitsdienste wollen verhindern, dass Salafisten aus dem eigenen Land nach Syrien gehen und nach ihrer Rückkehr dann Unruhe in Jordanien schüren."
Großes Waffenlager in Jordanien
Obwohl bereits Waffen an die Rebellen weitergegeben würden, lagere der Großteil noch in Jordanien, darunter moderne Panzerfäuste und Flugabwehrraketen sowie mehr als hundert Pickups mit aufmontierten Maschinengewehren und Flugabwehrkanonen: "Bezahlt hat das vor allem Saudi-Arabien unter der Bedingung, dass sich die FSA-Einheiten in Daraa auf eine gemeinsame Kommandostruktur verständigen", sagte einer der Organisatoren.
Ein Großteil der Waffen stamme aus Libyen. Ein weiterer Grund für die neu anlaufende Militärhilfe sei die Konkurrenz der Anrainerstaaten um die Frage, wer den größeren Einfluss auf die Gewinner des Krieges haben werde: Die Türkei und Katar unterstützen die syrischen Muslimbrüder, Jordanien und Saudi-Arabien wollen ihren Einfluss auf die FSA ausbauen.
Die EU hat vor kurzem ebenfalls den Weg für Entsendungen von Militärausbildern nach Syrien freigemacht. In Brüssel geht man davon aus, dass Großbritannien und möglicherweise auch Frankreich Militärberater entsenden werden. Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, forderte zudem Waffenlieferungen des Westens an die Gegner von Machthaber Baschar al-Assad. In der Bundesregierung hat dieser Vorschlag zu einem Koalitionsstreit zwischen CDU und FDP geführt.
Nach heftigen Gefechten brachten syrische Rebellen vor einigen Tagen eine Polizeischule in der Provinz Aleppo und das Zentralgefängnis in der Provinz Rakka unter ihre Kontrolle, fast 200 Menschen wurden dabei getötet. Für Staatschef Baschar al-Assad kommt trotz des Blutvergießens in dem Bürgerkrieg ein Rücktritt weiterhin nicht in Frage.
» MEHR POLITIK
» ZURÜCK ZUR HOMEPAGE
» ARTIKEL VERSENDEN
 
SUCHE IN SPIEGEL MOBIL
Politik | Wirtschaft | Börse | Panorama | Sport | Kultur | Wissenschaft | Gesundheit | Netzwelt | Uni | KarriereSPIEGEL | Schule | Reise | Auto | Wetter | Ticker | Fotostrecken | Video | English Site | manager-magazin.de
» Zum mobilen RSS
» NACH OBEN
© SPIEGEL ONLINE
Impressum Alle Rechte vorbehalten