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15.03.2013
 
Milliardenskandal
US-Senat wirft JP Morgan Vertuschung vor
AFP
Die Vorwürfe des US-Senats gegen JP Morgan wegen eines Milliardenskandals lesen sich wie eine Anklage. Die Großbank habe Risiken ignoriert, Anleger getäuscht, Regulierungsbehörden umgangen und Regeln verletzt. Man habe immer in gutem Glauben gehandelt, teilte das Management dagegen mit.
Washington - JP Morgan war lange der Musterschüler unter den amerikanischen Geldhäusern - doch wie wenig davon seit einem Milliardenskandal im vergangenen Jahr übrig ist, zeigte sich am Donnerstag im US-Senat. Ein Untersuchungsausschuss warf der Großbank massive Fehler vor: JP Morgan habe in extrem verlustreichen Derivategeschäften im vergangenen Jahr Risiken ignoriert, Anleger getäuscht, Regulierungsbehörden umgangen und Regeln verletzt.
Ranghohe Manager der Bank seien seit Monaten über die riskanten Derivate-Wetten informiert gewesen, die letztlich zu einem Verlust von 6,2 Milliarden Dollar bei der Bank geführt hätten, heißt es in einem Bericht des Untersuchungsausschusses. Sie hätten aber nichts unternommen, um die Händler zu zügeln.
Wegen ihrer breiten Aufstellung mit Investmentbanking, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung hatte JP Morgan die Finanzkrise im Vergleich zu anderen Großbanken relativ schnell verdaut und erwarb sich einen Ruf als guter Risikomanager. Doch mit dem Handelsskandal 2012 verspielte sie das Vertrauen.
Händler in der Londoner Abteilung "Chief Investment Office" (CIO) hatten offenbar ohne große Kontrollen gigantische Handelspositionen aufbauen können. Bei mindestens einem der Mitarbeiter - Spitzname "der Wal" - ging die Rechnung nicht auf. Pikanterweise entstanden die Verluste ausgerechnet in Derivate-Absicherungsgeschäften, die eigentlich dazu dienen sollen, Einbußen im Handel zu begrenzen.
Eine Sprecherin von JP Morgan teilte dazu mit, die Bank habe wiederholt Fehler eingeräumt. Das Management habe aber immer in gutem Glauben gehandelt und niemals die Absicht gehabt, jemanden zu täuschen.
Großbanken müssen nach Stresstest nachbessern
Noch in anderer Hinsicht musste JP Morgan einstecken. Die US-Notenbank Fed forderte die Bank zusammen mit Goldman Sachs am Donnerstag dazu auf, nachzubessern und bis zum Ende des dritten Quartals neue Kapitalpläne vorzulegen. Generell wurden die Pläne aber akzeptiert.
Bei dem zweiten Teil des diesjährigen Stresstests standen die Kapitalpläne und Projektionen der Banken auf dem Prüfstand, dabei wurden vor allem etwa angestrebte Dividendenzahlungen sowie Aktienrückkäufe überprüft.
Zwei weitere Institute - Ally Financial INC. sowie die BBT Corporation - fielen durch, ihre vorgelegten Kapitalpläne wurden abgelehnt. 14 der 18 überprüften Geldhäuser bestanden den Test, hieß es weiter.
Mit dem Stresstest wird die Gesundheit und Krisenfestigkeit der Banken überprüft. Die Fed will eine Wiederholung der Finanzkrise 2008 verhindern, als taumelnde Finanzhäuser die Weltwirtschaft beinahe in den Abgrund stürzten.
Beim ersten Teil des Stresstests vergangene Woche kam die Fed zu dem Ergebnis, dass 17 der 18 wichtigsten Institute des Landes einen massiven Abschwung überstehen würden. Einzig die Geldreserven des Auto- und Hausfinanzierers Ally Financial rutschten im angenommenen Krisenszenario unter die geforderte Schwelle.
Die Banken hätten ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Wirtschaftsszenarien verbessert, hieß es. Sie stünden von ihrer Kapitalausstattung besser da als vor der Finanzkrise 2008.
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