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27.03.2013
 
Privatisierung bei der Royal Air Force
Prinz William verliert seinen Job
REUTERS/ MOD
Tausende britische Arbeiter landeten während der Krise in Großbritannien schon auf der Straße, jetzt verliert ein Prinz seinen Job. Thronfolger William wird bald nicht mehr für den Hubschrauber-Rettungsdienst der Royal Air Force fliegen, weil der an ein amerikanisches Unternehmen verkauft wird.
Hamburg/London - Es klingt nach einem Sozialdrama von Ken Loach: Wackere Männer an der walisischen Küste blicken einer ungewissen Zukunft entgegen, weil der britische Staat sparen muss - und seine vornehmsten Aufgaben einem renditehungrigen US-Konzern überträgt. Nicht zu Ken Loach passt allerdings die Hauptfigur in diesem Drama: Kronprinz William.
Weil die britische Regierung sparen muss, verkauft sie den Hubschrauber-Rettungsdienst der Royal Air Force, Williams Arbeitgeber, an das US-amerikanische Unternehmen Bristow Group. Die Royal Air Force verwendet für den Such- und Rettungsdienst Helikopter vom Typ "Sea King", die bis zu 40 Jahre auf dem Buckel haben. Für die anstehende Erneuerung der Helikopterflotte fehlt der klammen britischen Regierung das Geld.
Für 1,6 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro, übernimmt jetzt der in Texas ansässige Hubschrauberbetreiber Bristow ab 2015 den Such- und Rettungsdienst. Der Vertrag läuft zunächst zehn Jahre, das Unternehmen verspricht kürzere Reaktionszeiten, neue Helikopter und 350 Arbeitsplätze. Viele von Williams Kollegen werden vermutlich bei Bristow unterkommen.
Der Prinz selbst wird allerdings nicht für die Amerikaner arbeiten. Der Thronfolger trat seinen Job als Helikopterpilot auf der Insel Anglesey im Nordwesten Wales 2009 an und sprach sich regelmäßig gegen die Privatisierung des traditionsreichen Such- und Rettungsdienstes aus. Der wird seit 70 Jahren gemeinsam von Royal Air Force und Royal Navy betrieben. Neben dem Verlust dieser beliebten, königlichen Institution stand auch noch die Befürchtung im Raum, dass die Qualität des Dienstes unter der Privatisierung leiden könnte.
Die Privatisierung ist bitter für Prinz William. In echte Probleme wird sie ihn aber nicht stürzen. Britische Medien spekulieren schon darüber, ob er sich in Zukunft mehr um seine adeligen Aufgaben kümmern und deshalb seinen Job bei der Royal Air Force an den Nagel hängen wird. Möchte er dennoch für die Luftstreitkräfte arbeiten, wird er nach Angaben eines Sprechers des britischen Verteidigungsministeriums innerhalb der Royal Air Force versetzt. Gleiches gilt für seine Kollegen. Am Ende ist die Geschichte also doch kein Drama à la Ken Loach.
 
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