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11.04.2013
 
Neues Gesetz in Uruguay
Ja zur Homo-Ehe
AP/dpa
Als zweites Land in Lateinamerika führt Uruguay die Ehe zwischen homosexuellen Paaren ein. Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Abgeordneten das Gesetz - Aktivisten feierten mit Regenbogenflaggen und Musik.
Montevideo - Die Aktivisten auf der Zuschauertribüne jubelten nach der Entscheidung im uruguayischen Parlament, sie umarmten sich, einige weinten: Mit großer Mehrheit hatten die Abgeordneten sich zuvor für die Ehe von gleichgeschlechtlichen Partnern ausgesprochen.
71 von 92 Abgeordneten im Unterhaus stimmten am Mittwoch (Ortszeit) für das neue Gesetz, das 90 Tage nach dem Beschluss in Kraft tritt. Der Senat hatte bereits in der vergangenen Woche zugestimmt.
Uruguay ist damit das zweite Land in Lateinamerika, das die Ehe zwischen homosexuellen Paaren erlaubt. Vertreter von Homosexuellen-Organisationen priesen die Abstimmung als "historischen Tag für das Land". Auf dem Platz vor dem Parlamentsgebäude in Montevideo versammelten sich Dutzende Aktivisten. Zu elektronischer Musik schwangen sie Regenbogenflaggen und feierten die Entscheidung.
Auch Präsident José Mujica hatte sich für gleichgeschlechtliche Ehen eingesetzt. Widerstand kam von der katholischen Kirche.
In den vergangenen sechs Jahren war in Uruguay bereits die Lebenspartnerschaft sowie die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare genehmigt worden. Zudem wurden Homosexuelle für die Streitkräfte zugelassen.
Im Nachbarland Argentinien dürfen lesbische oder schwule Paare seit 2010 heiraten. Auch in Mexiko-Stadt ist dies erlaubt, nicht aber im Rest von Mexiko.
In Frankreich hat die Mehrheit der Senatoren am Dienstag nach zehnstündiger Debatte für eine entsprechende Regelung gestimmt. Damit ist Präsident François Hollande die erste große gesellschaftspolitische Reform gelungen. Die Nationalversammlung hatte bereits Mitte Februar der Einführung der Homo-Ehe zugestimmt - die allerdings im Land umstritten ist. In den vergangenen Monaten waren Hunderttausende Franzosen gegen das Vorhaben auf die Straße gegangen.
In Deutschland ist die Frage ebenfalls umstritten. Auf eine rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen dringen SPD, Grüne und die Linken, aber auch die FDP. Der Bundesrat hat einen entsprechenden Gesetzentwurf bereits beschlossen. Das Bundesverfassungsgericht stärkte in den vergangenen Monaten wiederholt die Rechtsstellung eingetragener Lebenspartnerschaften.
In den Unionsparteien ist die Frage umstritten, mehrheitlich wird eine volle Gleichstellung aber abgelehnt. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bezeichnete die Verfechter davon als "schrille Minderheit". Das erzürnt den früheren Hamburger Bürgermeister und CDU-Politiker Ole von Beust. Er spricht sich für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften aus und hält es für einen Fehler, dass die Union erst auf ein Verfassungsgerichtsurteil zur steuerlichen Gleichstellung warten will: "Wer sich langfristig zu einem Partner bekennt, der handelt doch im Grunde konservativ."
 
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