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19.04.2013
 
Waffen für Israel und Saudis
USA planen riesigen Rüstungsdeal im Nahen Osten
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Die Vereinigten Staaten bewaffnen ihre Verbündeten in Nahost: Raketen und Fluggerät im Wert von rund zehn Milliarden Dollar sollen laut "New York Times" an Israel, aber auch Saudi-Arabien und die Arabischen Emirate gehen. Der komplexe Deal wird seit einem Jahr vorbereitet.
Washington - In der kommenden Woche reist US-Verteidigungsminister Chuck Hagel in den Nahen Osten. Bei seinem Trip in die Krisenregion stehen Visiten in Israel, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf dem Programm. Hagel will sich unter anderem ein Bild von der Situation im syrischen Bürgerkrieg und dem Dauerstreit über Irans Atomprogramm machen. Doch die Reise hat offenbar auch einen handfesten finanziellen Hintergrund. Wie die "New York Times" berichtet, soll Hagel die finalen Unterschriften unter einen gewaltigen Waffendeal einholen.
Das Paket hat demnach ein Volumen von mindestens zehn Milliarden Dollar - und soll die Kräfteverhältnisse in der Region noch einmal unterstreichen. Handelspartner sind eben jene Länder, die der Minister besucht. Die Streitkräfte Israels, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate erhalten laut der Abmachung neueste Waffentechnik von der US-Rüstungsindustrie - dafür halten sie Iran in Schach.
Die "New York Times" beruft sich auf Quellen im Verteidigungsministerium, die aber wegen der laufenden Verhandlungen anonym bleiben. Ein solcher Vertreter umreißt das Ziel des Mega-Deals so: "Er soll die Präsenz der vernetzen Einrichtungen in der Region stärken. Nicht nur Israels Schlagkraft wird gestärkt, sondern auch die unserer Partner am Persischen Golf."
Konkret geht es bei dem Multi-Milliarden-Waffengeschäft um:
Neue Raketensysteme für Israel, die die Radaranlagen der gegnerischen Flugabwehr attackieren sollen. Diese werden von Kampfflugzeugen abgefeuert und orten das Radarsignal des Gegners. Israel erhält außerdem - als erste ausländische Armee überhaupt - Exemplare des V-22-Osprey-Transportflugzeugs. Das High-Tech-Fluggerät verfügt über drehbare Propeller. Dadurch kann die V-22 starten wie ein Hubschrauber - verfügt aber über die Geschwindigkeit und Reichweite eines Flugzeugs. Die US-Armee setzt die Maschine seit Jahren in Afghanistan und dem Irak ein. Nun wird sie zum Exportprodukt. Weiterentwickelte Boeing KC-135-Tankflugzeuge ermöglichen den Israelis, ihre Kampfjets effizienter in der Luft zu betanken. Dies bietet bei Missionen mit langen Flugstrecken einen entscheidenden Vorteil. Die Vereinigten Arabischen Emirate erhalten im Rahmen des Deals insgesamt 26 Kampfjets des Typs F-16. Dieses Paket allein ist laut "New York Times" rund fünf Milliarden Dollar wert. Die Flugzeuge sollen mit - bisher nicht weiter spezifizierten - Präzisionsraketen ausgestattet werden. Diese Waffen sollen Ziele auch aus großer Entfernung zerstören können, ohne die Piloten selbst in Gefahr zu bringen. Die Raketen passen aber auch an die 84 F-15-Jets, die Saudi-Arabien im Jahr 2010 geordert hat. Der Deal wurde damals mit 29,5 Milliarden Dollar beziffert. Nun erhalten die Saudis eine unbekannte Anzahl der neuartigen Raketen.
Der Einfluss der Amerikaner auf die Streitkräfte der Verbündeten sollen mit der Lieferung des Kriegsgeräts jedoch noch nicht enden. Israel soll zugesichert werden, dass die Waffensysteme in Saudi-Arabien und den VAE von US-Personal beaufsichtigt werden. Die neuen Raketen dürfen demnach erst nach Beratungen mit Washington abgefeuert werden.
Dieser Punkt belegt, welche diplomatischen Hindernisse bei diesem Waffengeschäft überwunden werden müssen. Israel und Saudi-Arabien pflegen ein, vorsichtig formuliert, schwieriges Verhältnis. Trotzdem sehen die USA in beiden Staaten wichtige Partner im Dauerkonflikt mit Iran. Laut "NYT" gingen dem Deal Verhandlungen über ein Jahr voraus.
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