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15.07.2013
 
U-Boot-Propaganda des Kreml-Chefs
Putin geht zu Grunde
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Wladimir Putin präsentiert sich wieder als Action-Präsident. Im Finnischen Meerbusen taucht er in einem Mini-U-Boot 60 Meter tief. Er besichtigt dort das Wrack der "Oleg" am Meeresboden. Nach 30 Minuten ist die Show vorbei.
Moskau - Wladimir Putin ist der Mann der Lüfte - und der des Wassers. So sehen ihn zumindest seine PR-Berater: Putin, der Abenteuer-Präsident. Setzte sich Russlands starker Mann im vergangenen Jahr noch an die Spitze eines Schwarms sibirischer Kraniche, erkundet er in diesem Jahr ein Schiffswrack am Grund des Meeresboden.
180 Kilometer von St. Petersburg entfernt, im Finnischen Meerbusen, ging der Präsident in der Nähe der Gogland-Inseln mit einem Mini-U-Boot ins Wasser, um sich einmal mehr als Archäologe zu präsentieren. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer an seiner Seite, um Putin ins rechte Bild zu setzen.
60 Meter tief tauchte Putin in einer Unterseekapsel bis zum Meeresgrund, um dort das Wrack der "Oleg" zu inspizieren. Das Schiff der russischen Marine war 1869 gesunken. Das Wrack liege auf der Seite und sei in "exzellentem Zustand, man kann den Namen des Schiffes gut erkennen", berichtete der Präsident, ganz Fachmann, nach seinem halbstündigen Tauchgang russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Ob das Bild eines abtauchenden Putins seinem Image zuträglich sein wird, muss sich noch zeigen.
Falsche Amphoren aus dem Meer geholt
FOTOSTRECKE
Einen Schatz fand er dieses Mal jedenfalls nicht. Im August 2011 war Putin noch im Neopren-Anzug aus den Fluten des Schwarzen Meers aufgetaucht - in seiner Hand hielt er zwei altertümliche Amphoren. Angeblich sollten diese aus dem sechsten Jahrhundert nach Christus stammen, allerdings waren die Amphoren seltsam blank geputzt.
Angesichts skeptischer Berichte unabhängiger Medien musste sein Sprecher dann Monate später einräumen, dass es sich nur um eine Inszenierung gehandelt hatte. Der PR-Stunt war missglückt.
Putin lässt sich den Spaß an solchen Inszenierungen dennoch nicht nehmen, schließlich kommen sie bei der Mehrheit der russischen Bevölkerung gut an. Und so stieg er ein Jahr später, 2000 Kilometer nordöstlich von Moskau, mit einem Ultraleichtflieger in die Luft.
Nackter Oberkörper und Tiger
Aus Lautsprechern an seinem Fluggerät erschallten die krächzenden Laute eines Kranich-Muttertiers. Als Putin abhob, folgte ihm eine Handvoll elternloser Jungvögel. Er führte sie nach Süden, in Richtung ihrer Winterquartiere. Seine Mission: die Rettung einer vom Aussterben bedrohten Kranich-Art.
Nicht nur Kraniche liegen dem Staatschef am Herzen, wenn es darum geht, gute Bilder zu inszenieren. Er ließ sich in einem Kampfflugzeug ablichten, in dem er nach Tschetschenien flog, in Sibirien ließ er sich auf einer Tigerjagd und im Pazifik auf Waljagd mit der Armbrust fotografieren. Bei anderer Gelegenheit durften ihn russische Medien mit seinem schwarzen Judo-Gürtel und nacktem Oberkörper oder in einem Formel-1-Rennwagen zeigen. Eine besonders spektakuläre Expedition lieferte zudem Bilder Putins, wie er im Pazifik Wale mit einer Armbrust jagt.
Klicken Sie hier, um Putins Aktionen in Bildern zu sehen.
 
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